So wie in jeder größeren Stadt existiert auch in Stuttgart abseits des Rummels um die professionelle Kickerei die sogenannte Stadtliga, in der teils bunt zusammengewürfelte Teams ihrem Hobby Fußball in organisierter Art und Weise frönen. Gegründet 1995, war sie ursprünglich als Hort für Gegner des Vereinsfußballs gedacht sowie als praktische Fortsetzung des Nachtlebens mit anderen, sportlicheren Mitteln. So ist es Tradition, dass die wesentlichen Bars der Stadt sich dort zu profilieren versuchen, indem sie ihre besten Fußballer vor und hinter der Theke zusammentrommeln, um den eigenwillig gestalteten, aber prestigeträchtigen Pokal einheimsen zu können. Doch wer da glaubt, dass alle heutigen Thekenmannschaften lediglich Ansammlungen bierbäuchiger und grölender Möchtegern-Spielmacher sind, wird bei geneigter Beobachtung schnell eines Besseren belehrt. Oftmals finden sich in den Reihen Spieler, die selbst schon in Vereinen von der Kreis- bis zur Landesliga aktiv waren und beispielsweise aus beruflichen oder familiären Gründen in der Stadtliga kürzer treten. Jedenfalls steht hier vor allem der Spaß im Vordergrund. Die teilnehmenden Teams lassen es sich dennoch nicht nehmen, sich jedes Jahr gezielt auf die Monate Mai bis Juli vorzubereiten; die meisten von ihnen trainieren ein Mal in der Woche auf Sportplätzen in und um Stuttgart.
Die Begegnungen der Stadtliga selbst werden auf dem Rasenplatz zwischen den Stuttgarter Stadtteilen Feuerbach und Botnang im Feuerbacher Tal ausgetragen. Das Feld ist nicht nur in sehr gutem Zustand, sondern bietet auch reichlich Platz für Zuschauer. Außerdem sind neben den Umkleiden auch ein Biergarten und ein Kinderspielplatz vorhanden. Dieses Drumherum und die gute Organisation haben dafür gesorgt, dass die Spiele mittlerweile eigentlich von ebenso vielen Beobachtern verfolgt werden wie die Partien in den Kreisligen, auch wenn es sich zumeist um die Freundinnen und Freunde der Akteure handelt. Der positiven Stimmung abträglich ist dies in jedem Falle nicht. Überhaupt, Fairplay wird in der Stadtliga groß geschrieben. Zum Beispiel gibt es eine Rote Karte erst nach dreimaliger Zeitstrafe von zehn Minuten – und das kommt selten vor. Der Schiedsrichter, der immer von einem der anderen Teams gestellt wird, wird im Regelwerk gar als „heilige Kuh” bezeichnet. Sollte das Schiriteam aus ihm und zwei Linienrichtern nicht anwesend oder nicht vollständig sein, drohen dem verantwortlichen Team Punktabzüge.
Gespielt wird in zwei Gruppen à vier Mannschaften, die jeweils ein Mal aufeinander treffen. Über die Platzierung entscheidet nach den errungenen Punkten zuerst der direkte Vergleich und dann das Torverhältnis. Die beiden Viertplatzierten sind nach der Vorrunde ausgeschieden, während die beiden Ersten direkt ins Halbfinale einziehen. Die Zweiten und Dritten spielen über Kreuz die anderen Halbfinalisten aus. Der Finaltag bringt im Rahmen der Platzierungsspiele nocheinmal alle Teams zusammen. Den Abschluss bildet für gewöhnlich ein kleines Fest, auf dem man dann die eine oder andere Szene, mit Horst Hrubesch gesprochen, „Paroli laufen” lassen kann.
Der Gejagte steht in diesem Jahr mit dem amtierenden Meister und Sieger des erstmals ausgetragenen Tagesturniers im Vorfeld des Stadtliga-Auftakts bereits fest: Es ist der FC BARCODE. Die Mannschaft der gleichnamigen Bar entthronte 2007 das Team TÜNNES & CO, das zuvor sechs Mal in Folge triumphiert hatte und sicher nichts unversucht lassen wird, die Verhältnisse wieder zurecht zu rücken. Brisanterweise hat der Spielplan diese Partie als Eröffnung in petto. Die Gruppe 1 komplettieren die Mannschaften 98ELF sowie ONE TASTE. In Gruppe 2 haben die Teams PUMAS, BIDDY EARLY’S, ASV und LES CHATTES BLEUES miteinander zu tun. „Die blauen Katzen” sind eine rein französische Elf und zum ersten Mal dabei.
Nach dem Auftakt am 24. Mai sind die weiteren Vorrundentermine der 14., 21. und 28. Juni 2008. Der Qualifikation zum Halbfinale am 5. Juli folgen die Halbfinalspiele am 12. und der große Finaltag am 19. Juli. Es verspricht, wieder eine spannende Saison zu werden. Als DAS Fußballmagazin in der Landeshauptstadt freut es uns, die Spiele und Ereignisse der Stadtliga und die Mannschaften sowie die Menschen und Geschichten dahinter beleuchten zu können und einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.














