Schlechter kann man nicht in ein Spiel bzw. in ein Turnier starten. Vier Minuten sind gespielt, als sich Ivica Olic links im Strafraum den Ball vorlegt, René Aufhauser ihn recht ungeschickt angeht und damit den ersten Elfmeter des Turniers verursacht. Über die Richtigkeit der Entscheidung von Referee Vink läßt sich nicht streiten, aber über die Ausführung schon. Kroatiens neuer Mittelfeldstar Luka Modric schiebt den Ball geradeaus in die Mitte des Tores. Entweder hat er gesehen, dass sich der Torwart in die Ecke bewegt, oder einfach nur Glück gehabt.
Geschockt von diesem frühen Rückstand war Österreich in der ersten halben Stunde des Spiels völlig von der Rolle. Durch aggressive Kroaten früh unter Druck gesetzt konnte die Mannschaft von Teamchef Josef Hickersberger nur wenige gelungene Aktionen verzeichnen. Sie kämpfte sich zwar immer wieder vor das gegnerische Tor, zwingende Chancen sprangen dabei allerdings nicht heraus. Erst zwei große Möglichkeiten zum Ende der ersten Halbzeit ließen erahnen, dass in diesem Spiel noch nichts verloren war. Die kroatische Mannschaft war ob ihrer spielerischen Überlegenheit nachlässig geworden – Mladen Petric vergab aus guter Position fahrlässig – und verwaltete ihren knappen Vorsprung aus einer sicheren Defensive um den erfahrenen Dortmunder Robert Kovac.
In der zweite Hälfte gaben die Österreicher alles. Ein Angriff nach dem anderen rollte auf die nun schwer in Bedrängnis geratende kroatische Abwehr zu. Von rechts Martin Harnik und von links Ümit Korkmaz schlugen Flanken in den Strafraum und fanden allzu oft keinen Abnehmer: Ein Umstand, der den Mangel an Stürmern auf Spitzenniveau aus Österreich mehr als deutlich beschreibt. So blieb es bis zur Nachspielzeit, als Roman Kienast den letzten Eckball mit dem Kopf Richtung Tor bugsierte und dieses um wenige Zentimeter verfehlte.
Hickersberger zeigte sich nach dem Spiel dennoch zufrieden: „In Halbzeit zwei haben wir bewiesen, dass der österreichische Fußball besser geworden ist.” Das ist zwar richtig, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kroatien diesen Sieg nicht auf Grund seiner Stärke, sondern wegen Österreichs Unerfahrenheit und Offensivschwäche für sich verbuchen konnte. Gegen Polen sowie Deutschland wird sich die Elf von Slaven Bilic deutlich steigern müssen.














