In der Musikbranche heisst es, das zweite Album sei immer das schwerste. Im Fußball ist allerdings immer das nächste Spiel das schwerste, doch offensichtlich hatten einige deutsche Spieler das vergessen, als sie den Rasen des Wörthersee-Stadions betraten. So wie Ballack und Co. die Polen von Beginn an unter Druck gesetzt hatten, so ging Kroatien zu Werke. Die schläfrig wirkende deutsche Hintermannschaft machte Fehler um Fehler. Folgerichtig war es eine Verkettung von Unachtsamkeiten, die den Kroaten das 1:0 durch Darijo Srna ermöglichte.
Etwas aufgeschreckt durch den Gegentreffer versuchte Deutschland ins Spiel zu kommen und konnte sich zwei Kopfballchancen durch Gomez und Metzelder erarbeiten – ohne Erfolg. Weiterhin schwach in der Defensive, ließ die Mannschaft von Jogi Löw weitere Einschussmöglichkeiten für die Kroaten zu; die deutschen Fans mussten noch öfter die Luft anhalten vor Schreck, bis der Halbzeitpfiff ertönte.
Typisch für ein solches Spiel war der Treffer zum 2:0. Eine abgefälschte Flanke prallte vom Pfosten Olic vor die Füße, der den Ball aus fünf Metern nur noch über die Linie schieben musste. Lehmann war dabei kein Vorwurf zu machen, mit ein wenig Glück hätte er fast noch zur Ecke klären können. Es gab weiterhin kaum Chancen für die deutsche Elf, obwohl sich das Geschehen fast ausschließlich in der kroatischen Hälfte abspielte. Podolski konnte eine zu kurze Kopfballabwehr zwar für den Anschlusstreffer nutzen, aber das Spiel war gelaufen. Insbesondere für Bastian Schweinsteiger, der nach einem Schubser gegen Leko mit Rot vom Platz musste und wohl mindestens eine Partie fehlen wird.
Angesprochen auf die möglicherweise überhebliche Einstellung einiger Spieler, wie sie vor allem Ballack und Klose kritisierten, antwortete der Bundestrainer mit einem entschiedenen Nein. „Die Mannschaft war im Abschlusstraining sehr konzentriert und es gab keinerlei Anzeichen für Überheblichkeit”. Auch Schuldzuweisungen innerhalb der Mannschaft erteilte er eine klare Absage. „Jeder muss sich an die eigene Nase fassen, auch wir Trainer”, erklärte er in der heutigen Pressekonferenz.
Löw wird sich auch Gedanken machen müssen über seine Stürmer, die neunzig Minuten so gut wie keine Akzente setzen konnten, und über eine Abwehr, die doch noch nicht die Form der WM 2006 erreicht hat. Der Gruppensieg ist verspielt, im Viertelfinale wartet Portugal. Hoffentlich.














