Vor der Partie hatte Joachim Löw versprochen, die Mannschaft würde gegen Österreich ein ganz anderes Gesicht zeigen als gegen Kroatien. Aber so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Gelähmt von den Erwartungen, die man an einen Titelfavoriten hat und der Angst, in der Vorrunde auszuscheiden, wurde das absolute Minimalprogramm an fußballerischen Möglichkeiten abgerufen.
Mario Gomez, in der abgelaufenen Bundesligasaison ein Torgarant, wurde von Löw erneut von Beginn an aufgeboten. Trotz dieses Vertrauensbeweises konnte sich der Angreifer vom VfB Stuttgart kaum durchsetzen, nur wenige Bälle sauber verarbeiten und scheiterte nach vier Minuten so kläglich aus zwei Metern, dass es beinahe schon Mitleid auslöste. Er steht sinnbildlich für die Verkrampfung im deutschen Team, die jeden Ansatz von Tempofußball und Spielfreude verhindert. Der Bundestrainer betonte nach dem Spiel weiter die Qualitäten von Gomez, aber offensichtlich kann sich keiner der anderen Stürmer im Kader im Training so empfehlen, dass Löw einen Wechsel in Betracht zieht.
Ein weiteres Sorgenkind im Mittelfeld ist Thorsten Frings. In der Qualifikation zu dieser Europameisterschaft ein Garant für eine stabile Defensive, läuft er seiner Form sprichwörtlich hinterher. Wenn man sieht, wie wenig Spitzigkeit er hat - und nicht nur er - drängt sich der Verdacht auf, dass es auch um die Physis der Spieler nicht allzu gut bestellt ist. Zu allem Übel wurde Frings nach dem Spiel mit Verdacht auf einen Rippenbruch ins Krankenhaus eingeliefert.
Überzeugen konnten nur Philip Lahm und Kapitän Michael Ballack. Mit Vorstößen über die von im eher ungeliebte linke Seite sorgte Lahm immer wieder für Gefahr und konnte so auch den Freistoß herausholen, den Ballack dann aus fast 30 Metern ins Netz hämmerte. Die Entschlossenheit und Willensstärke des Mannes vom FC Chelsea waren es, die eine Blamage verhinderten. Das Minimalziel Halbfinale ist wieder nähergerückt, aber gegen eine ausgeruhte portugiesische Mannschaft wird nur Kampf und Wille nicht genügen.














