Nicht, dass man sich große Hoffnungen gemacht hätte auf frischen offensiven Fußball der Azzurri, aber was gestern im Wiener Ernst-Happel-Stadion besonders in der ersten Hälfte geboten wurde, war wirklich zum Abgewöhnen. Italien, erkennbar ungewillt, Richtung spanisches Tor zu spielen, stand tief in der eigenen Hälfte und ließ den unglücklichen Luca Toni in der Nähe der Mittellinie einsam seine Runden drehen. Bei langen Bällen aus der Abwehr musste er sich regelmäßig gegen zwei oder drei Verteidiger zur Wehr setzen und blieb weitestgehend wirkungslos. Einzig ein Kopfball in der 36. Minute hätte gefährlich werden können, wäre der Ball nicht schon an Carlos Marchena hängen geblieben. Auf der anderen Seite konnte Spanien sein gefährliches Passspiel in die Spitze kaum zur Geltung bringen, weil sich die Italiener eben nicht aus ihrer eigenen Hälfte bewegten, und so nur wenig Raum blieb. Ein Freistoß von Villa, ein Schuss von David Silva – mehr brachte die spanische Offensive, die immerhin acht Tore in der Vorrunde erzielt hatte, nicht zustande. Für ein bisschen Aufregung sorgte nach einer knappen halben Stunde Schiedsrichter Herbert Fandel, als Villa im Strafraum zu Fall kam, aber der Pfiff zum fälligen Strafstoß ausblieb.
In der zweiten Hälfte versuchten sowohl Aragones als auch sein Trainerkollege Donadoni, mit Auswechslungen mehr Schwung in die Partie zu bringen. Auf spanischer Seite kamen Cesc Fabregas und Santi Cazorla, Italien brachte Mauro Camoranesi, der zuerst zugunsten von Aquilani auf der Bank hatte Platz nehmen müssen. Allerdings dauerte es recht lange, bis dieser Schwung einsetzte. Italiens defensive Strategie wäre dann beinahe aufgegangen, als Camoranesi in der 61. Minute mit einem Schuss aus neun Metern an Casillas scheiterte. Der Mann von Real Madrid hatte diese Großchance durch seinen ungeschickten Einsatz bei einer Flanke erst möglich gemacht, reagierte dann aber blitzschnell auf der Linie. Mehr als glücklich war auf der Gegenseite Buffon, als er einen Fernschuss vom agilen Senna nicht festhalten konnte, der Ball aber vom Pfosten zurück in seine Arme kullerte.
So ging es also mit einem 0:0 in die Verlängerung. Die Beine wurden schwerer und die Pässe ungenauer. Jetzt ging es nur noch darum, sich ohne Gegentor ins Elfmeterschießen zu retten. Gesagt, getan. Die Italiener hatten auf die Lotterie vom Punkt gehofft, aber dieses Mal half auch ein gehaltener Schuss von Buffon nicht, weil Casillas zwei Elfmeter von De Rossi und dem eingewechselten Di Natale entschärfte und so zum Helden der Spanier wurde.
Spanien trifft jetzt am Donnerstag in Wien auf den Gruppengegner Russland. Ein weiteres 4:1 wird es wohl nicht mehr geben, Guus Hiddink ist gewarnt und wird seine Mannschaft entsprechend einstellen. Hoffen wir auf ein unterhaltsameres Spiel, als dieses Viertelfinale war. Die Italiener werden jetzt die Scherben aufkehren müssen, die dieses Turnier verursacht hat.
Ob Donadoni da noch ein Wörtchen mitzureden hat, wird sich bald herausstellen.














