Wir hatten uns das Café Meisters in der Rotebühlstraße als Finalort ausgesucht, ganz in der Nähe der S-Bahn-Haltestelle Schwabstraße. An die 500 Menschen fanden Platz im Innenhof und kurz nach Öffnung gegen 18 Uhr waren auch schon die allermeisten da.
Die Betreiber des Meisters hatten sich etwas Besonderes einfallen lassen für die Spiele der deutschen Mannschaft. Ein Teil der Tische im Innenhof wurde über Ebay versteigert, und der Erlös geht direkt an die Kinderkrebsstation des Olgahospitals in Stuttgart. Eine gute Idee, finden wir, denn bei aller Liebe zum Fußball gibt es doch weit wichtigere Dinge im Leben.
Mit am Tisch saß Marco, ein Italiener im Spanien-Trikot, der nach dem Ausscheiden der Azzurri kurzerhand von den Spaniern als Glücksbringer engagiert wurde. Da konnten wir nicht mithalten, aber in der Zeit bis zum Anpfiff wurden ein paar gepflegte Seitenhiebe am Tisch verteilt. Immerhin ging es gegen einen dreimaligen Weltmeister. Und was hatte Spanien gewonnen? Eben. Vor 44 Jahren die EM im eigenen Land. Lächerlich! Aber das Lachen sollte uns noch vergehen.
Die „Deutschland, Deutschland”-Schlachtrufe verstummten, als Fernando Torres ein ums andere Mal Per Mertesacker übersprang und Arne Friedrich von Iniesta schwindlig gespielt wurde. Uns schwante Böses. Einmal konnte Lehmann, ein anderes Mal der Pfosten retten, aber dann war es passiert: Ein Pass in die Viererkette, Torres überläuft Lahm und schiebt den Ball über den herausstürmenden Lehmann ins lange Eck. Betretene Mienen hier, „Viva España” dort. Schlechter hätte es nicht laufen können.
In der zweiten Halbzeit brüllten wir die Truppe nach vorne; aber zu matt, zu schwach zeigten sich die deutschen Kicker. Spanien dominierte nach Belieben die Partie und war immer dann am gefährlichsten, wenn es schnell und direkt spielte. Es war kaum zum Aushalten. Die Einwechslungen des Stuttgarters Mario Gomez und des ehemaligen Stuttgarters Kevin Kuranyi wurden vom Publikum nicht gerade mit Wohlwollen bedacht. Nicht zu unrecht. Beide blieben in den restlichen Minuten völlig wirkungslos.
Nach 90 Minuten ist die beste Mannschaft des Turniers Europameister. Wir gratulieren den Spaniern, die sich auf den Weg machen zum Autokorso auf der Theodor-Heuss-Straße, und hoffen einfach auf die WM 2010. Dieses Mal sind andere die Champions.














