Auffallend war, dass nur wenige Spieler ihre Topform während des Turniers abrufen konnten. Lediglich Podolski, Schweinsteiger und mit Abstrichen auch Lahm spielten eine herausragende EM. Zudem drängte sich der Eindruck auf, dass die Spieler am Ende platt waren. Dies mag damit zusammen hängen, dass dieses ständige Pendeln zwischen deutschem Quartier und Spielort mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen die Nationalspieler mehr schlauchte, als man zugeben würde. Ein weiterer Grund für das einseitigste Endpiel seit der WM 1990 mag darin liegen, dass der deutschen Mannschaft im Gegensatz zu früheren Auswahlmannschaften die nötige Aggressivität abging. So hatten deutsche Mannschaften früher zwar auch schon Probleme, mit technisch hochwertigen Mannschaften mitzuhalten, fraglich ist jedoch, ob ein Jürgen Kohler oder ein Katsche Schwarzenbeck, die den Inbegriff für eine „Kampfsau” darstellten, sich beim 1:0 der Spanier so hätten überlaufen lassen wie Lahm, ohne „die Sense” auszupacken. Das Abtrainieren von Aggressivität durch körperloses Basketballspielen im Training ist einer der wenigen Vorwürfe, die man Jogi Löw machen kann.
Dennoch muss einem um die Zukunft des deutschen Fußballs nicht bange sein. Gerade im Angriff herrscht ein Überangebot, auch wenn die Stürmer ihre Fähigkeiten bei der Euro nur andeuteten. Auch vom Mittelfeld geht Torgefahr aus. Fraglich bleibt jedoch, wann endlich wieder Alternativen für die Innenverteidiger Metzelder und Mertesacker bereitstehen, wenn diese nicht auf der Höhe sind. So sind nur eine Handvoll der Innenverteidiger der Bundesliga Deutsche. Hier ist der türkischstämmige Serdar Tasci einer der Hoffnungsträger.Quo vadis, deutscher Fußball?
Nicht zuletzt die Euphorie, von der man nach dem Sommermärchen in Deutschland immer noch zehrt, trug die deutsche Elf ins Finale. Am Ende war man jedoch gegen die Spanier chancenlos. Ein herausragendes Spiel gegen Portugal, ein gutes gegen Polen, ansonsten zum Teil biedere Hausmannskost. Wo steht nun der deutsche Fußball wirklich?
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