Geschichte, Namen und Ereignisse
Schon vor der offiziellen Einweihung des Stadions an seinem heutigen Ort im Jahr 1933 entsteht bereits 1913 der Vorgänger der Arena auf dem Wasen. 20.000 Plätze, 7000 davon auf der Tribüne, die restlichen 13.000 Stehplätze. Da aus Holz gebaut, ist diesem Stadion jedoch kein langes Leben beschieden. Nur ein Jahr später fällt es einem großen Brand zum Opfer, ausgelöst durch eine glimmende Zigarettenkippe.
Stuttgart ohne Stadion? Ein unwürdiger Zustand, befinden etliche Bürger der Stadt und rufen 1925 den Verein Stadion Stuttgart ins Leben. Drei Jahre später erhält die Stadt das 139 Hektar große Gelände auf dem Wasen, das bis dahin dem Staat Württemberg gehörte, im Tausch gegen ihre Flächen auf dem Burgholzhof, einem Stuttgarter Stadtteil. Daraufhin bekommt die Stadt 1929 den Zuschlag für das Deutsche Turnfest 1933. So stellt der Gemeinderat knapp 2,5 Millionen Reichsmark für den Bau bereit, den Architekt Paul Bonatz schließlich realisiert. Die Stadionkapazität liegt bei 35.000 Zuschauern, die Attraktion ist das freitragende Tribünendach. Am 23. Juli 1933 wird das neue Stadion pünktlich zum Deutschen Turnfest als Adolf-Hitler-Kampfbahn eingeweiht.
Trotz der Kriegsvorbereitungen der neuen Machthaber ist weiterhin Geld für den Ausbau der Arena vorhanden. 1935 wird die Kapazität auf 70.000 Zuschauer verdoppelt. So viele kommen auch, als die Nationalmannschaft im ersten Fußball-Länderspiel im Stuttgarter Stadion am 21. März 1937 Frankreich mit 4:0 bezwingt. Weitere internationale Sport-Highlights folgen auf dem Fuß; so z.B. das Rugby-Länderspiel Deutschlands gegen Italien im Jahr darauf oder kurz vor Kriegsausbruch im Juli 1939 der Boxkampf Max Schmelings gegen Adolf Heuser.
Der Neuanfang der Arena geschieht zunächst unter amerikanischer Regie. In das von den Amerikanern nun so getaufte Century Stadium haben Deutsche vorerst keinen Eintritt. Aber schon 1946 ist in einem Schreiben des Sportamts erstmals die Rede vom Neckarstadion. Offiziell wird dieser Name dann 1946. 1951 werden die Gegentribüne sowie die Stehplätze in den Kurven fertiggestellt.
Erster sportlicher Höhepunkt nach dem Krieg ist das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1949 zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund (2:1). Zum ersten Fußball-Länderspiel gegen die Schweiz ein Jahr später kommen gar 115.000 Besucher. Deutschland siegt mit 1:0 durch einen Elfmeter von Herbert Burdenski. Der Evangelische Kirchentag 1952 oder das Finale im nationalen Feldhandball 1954 folgen. Der VfB Stuttgart wird zwei Mal Deutscher Meister, Real Madrid Europapokalsieger im Landesmeisterwettbewerb. 1963 erhält das Stadion obendrein die erste deutsche Flutlichtanlage; 1969 wird die Aschenbahn durch eine Bahn aus Kunststoff ersetzt. Doch der Fortschritt macht nicht halt – im Gegenteil.
Als die Fußball-WM 1974 nach Deutschland vergeben wird, muss das Neckarstadion erneut ausgebaut werden. Für insgesamt 24 Millionen Mark wird die Haupttribüne neu gebaut, die Gegengerade überdacht und eine Anzeigetafel errichtet. Zu Gast bei der WM sind dann schließlich die Polen und die Italiener. Zwei Jahre später treten hier die Rolling Stones auf. Im Zuge der Leichtathletik-EM wird 1986 das Flutlicht erneuert sowie eine Videotafel installiert. 1988 ist das Stadion auch Spielort bei der Fußball-EM. Im Jahr darauf steht der VfB im Endspiel des UEFA-Pokals gegen den SSC Neapel mit Diego Armando Maradona.
Eine neue Ära beginnt
Anlässlich der Leichtathletik-WM 1993 wird die letzte Namensänderung vollzogen. Die Mercedes-Benz AG kauft für 7,5 Millionen Mark das Namensrecht auf unbestimmte Zeit – aus heutiger Sicht ein Schnäppchen; weitere 2,5 Millionen bezahlt der Konzern für die Hofüberbebauung der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, die wegen seiner Jahreshauptversammlung notwendig geworden war. Namensrechte spielten damals freilich anders als heute noch keine so große Rolle. Mittlerweile werden dafür bis zu 4,5 Millionen Euro pro Jahr bezahlt. Das ist zumindest der Fall beim FC Bayern München und der Allianz.
15 Jahre lang nennt sich das Stadion jedenfalls Gottlieb-Daimler-Stadion. Im Laufe der Jahre wird es immer weiter modernisiert. Nach einer vollständigen Überdachung wird die Haupttribüne umgebaut und eine neue Flutlichtanlage eingerichtet. Bis Juli 2001 belaufen sich die Kosten der Modernisierungsmaßnahmen auf etwa 51 Millionen Euro. Die Haupttribüne wird durch einen zweiten Zuschauerrang erweitert. Zudem entsteht ein VIP-Bereich mit 44 Business-Logen, 1500 Business-Seats. Für die WM 2006 folgen der Umbau der Gegengerade sowie neue Kassensysteme und neue Technik. Die Kosten betragen weitere 51 Millionen Euro. Sechs Spiele der Weltmeisterschaft finden hier statt, das Sommermärchen der deutschen Elf endet mit dem Spiel um den dritten Platz gegen Portugal in Stuttgart.
Zetsche: „Fahrkultur trifft Spielkultur“
Mit der offiziellen Saisoneröffnung am 30. Juli 2008 im Vorfeld des Testspiels des VfB gegen den FC Arsenal London trägt das Stadion, das sich einst Adolf-Hitler-Kampfbahn nannte, danach für kurze Zeit Century Stadium, dann Neckarstadion und zuletzt Gottlieb-Daimler-Stadion, den Namen Mercedes-Benz Arena. Die Umbenennung steht sowohl im Zusammenhang mit dem Umbau des Stadions in eine reine Fußball-Arena als auch mit der umfangreichen Umgestaltung des Gebiets Neckarpark, das mit Hilfe des über Monate erarbeiteten und ausgehandelten Konzepts weiter voran gebracht werden soll, und damit der Standort Stuttgart. Unter dem Motto „Fahrkultur trifft Spielkultur” werde man, so Daimler-Chef Dieter Zetsche, die für die nächsten 30 Jahre neu erhaltenen Namensrechte nutzen, um damit auch „ein Bekenntnis zu Stuttgart, seiner Region und zum VfB Stuttgart” abzulegen.
Daimler erhöht damit seine Unterstützung für den VfB und wird diesem somit ein noch stärkerer Partner, nachdem der Autokonzern bereits im vergangenen Jahr als Exklusivpartner des Bundesligisten eingestiegen war. Mit der Namensänderung bewirbt der Konzern nun nicht mehr seinen Firmengründer, sondern stärkt damit seine Marke Mercedes-Benz. Dafür legt das Unternehmen 20 Millionen Euro zweckgebunden für den Stadionumbau auf den Tisch; der VfB Stuttgart bringt insgesamt 27 Millionen in die gemeinsame Objektgesellschaft mit der Stadt ein. Baubeginn ist im Anschluss an die Bundesliga-Saison 2008/09. Im Sommer 2011 sollen die Arbeiten schließlich abgeschlossen sein. Dabei wird das Spielfeld abgesenkt und die beiden Kurven werden durch steilere Geraden ersetzt. Beinhaltet ist letztlich auch die Entfernung der Leichtathletik-Bahn, worauf der VfB seit Jahren gedrängt hatte. Einmal dürfen die Leichtathleten aber noch ins Stadion, nämlich zum Weltfinale im September.
Für VfB-Präsident Erwin Staudt ist der nun in Angriff genommene Umbau des Stadions sowie die Weitergestaltung des Geländes „eine historische Chance, den Neckarpark zu einem in Europa einmaligen Zentrum für Industrie, Sport und Freizeit auszubauen”. Für den Verein gehe es letztlich darum, „konkurrenzfähig zu bleiben”. Der Imagefaktor des Fußballs ist für eine Stadt wie Stuttgart also weiterhin immens – Tendenz steigend.














