Klaus Bieber

Klaus Bieber kehrt Wernau den Rücken

Uwe Gahala | 23. Sept. 2008 | 0 Kommentare
Dem TSV Wernau steht ein Trainerwechsel ins Haus: Klaus Bieber ist mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Übungsleiter zurückgetreten. Er hatte den Posten vor nicht einmal einem Jahr übernommen und den Verein mit einer starken Rückrunde vor dem Absturz in die Kreisliga B bewahrt. Unüberbrückbare Differenzen mit dem Vereinsvorstand nennt er als ausschlaggebendes Motiv. Neuer Trainer der Wernauer soll nun, zumindest vorläufig, Thomas Huszta werden, momentan Coach der Reserve.

Der TSV Wernau kommt kaum zur Ruhe. Nach der 2:4-Niederlage beim TSV Wendlingen hat der bisherige Coach der Wernauer seinen Stuhl zur Verfügung gestellt. Zu groß wurden seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand, der massiv in seine Trainerarbeit eingegriffen habe. Stein des Anstoßes sei beiden Seiten zufolge die Frage nach dem Spielsystem gewesen: Dreierkette oder Viererkette? Während Klaus Bieber eher die modernere Viererabwehrkette favorisierte, entschied der Vorstand, seinem Trainer die Variante mit Libero und zwei Manndeckern vorzuschreiben.

Abteilungsleiter Clemens Korinth bestätigt das: „Die Mannschaft ist noch sehr jung und zu unerfahren für das Vierer-System. In der vergangenen Rückrunde, als er neu dabei war, schien sein System zu funktionieren. Aber jetzt wird deutlich, dass es so nicht weitergeht.” Korinth betont, dass der Verein die Zusammenarbeit gerne fortgesetzt hätte. Bieber jedoch sah die Vertrauensbasis zerstört und reagierte mit Unverständnis, dass der Vorstand ihm und den jungen Spielern nur so wenig Zeit eingeräumt habe.

Der TSV Wernau steht in der Kreisliga A1 Neckar-Fils nach sechs Spieltagen auf dem 13. Tabellenrang und hatte bereits vor nicht einmal einem Jahr ähnliche Probleme, als man sich vom damaligen Übungsleiter Harry Wolter nach einem schlechten Start in die Saison getrennt hatte. Die sportlichen Probleme scheinen auch bei näherer Betrachtung eher struktureller Natur zu sein. Denn nach namhaften, aber charakterlich als schwierig geltenden Neuzugängen in der Sommerpause 2007 hatte sich der Verein als Ziel gesteckt, um den Aufstieg mitzuspielen. Schnell stellte sich jedoch damals heraus, dass die Chemie innerhalb der Mannschaft nicht stimmte. Ein sehr schlechter Saisonbeginn kostete schließlich dem damaligen Coach Harry Wolter den Job.

Klaus Bieber übernahm im November 2007 und legte mit seinem neu formierten Team noch vor der Winterpause eine kleine Serie hin, die den Grundstein für den Klassenerhalt darstellte. Zementiert wurde der Klassenverbleib schließlich durch eine starke Rückrunde – mit Viererkette. Fragwürdig ist nun, warum Biebers bevorzugtes System jetzt auf einmal nicht mehr funktionieren soll. Der in Deizisau wohnhafte gebürtige Oberpfälzer ist Inhaber der Trainer-B/C-Lizenz, ein Mann vom Fach. Die bisherigen Ergebnisse der noch jungen Saison hatten kaum Aussagekraft, das Spielsystem in Frage zu stellen, zumal sich die Mannschaft an den ersten Spieltagen als taktisch diszipliniert präsentierte. Knappe Niederlagen gab es lediglich gegen den Meisterschaftskandidaten SG Eintracht Sirnau (1:2) sowie gegen einen stark in die Spielzeit gestarteten TSV Wendlingen (2:4). Hinzu kamen drei Unentschieden.

Sicherlich ist der TSV Wernau nicht gut in die Saison gestartet, doch davon zu reden, „dass es so nicht weitergeht”, scheint übertrieben und legt den Verdacht eines Vorwands nahe. Ein Kompetenzgerangel zwischen Vorstand und Trainer tut jedenfalls keinem Verein gut. Die Frage ist nur, wer in welchen Sachfragen mehr Kompetenz aufweisen kann. Diese Frage wird in Wernau nicht beantwortet werden; vermutlich wird das Team am Ende der Saison weder ab- noch aufsteigen – mit oder ohne Viererkette.

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