Vor einiger Zeit hätte man in Wendlingen einen Sonnentag im Oktober wohl zu einer Ausfahrt mit Kind und Hund auf die laut Stadtmarketing nahe gelegene Schwäbische Alb genutzt. Das hat sich nun grundlegend geändert: Bei schönem Wetter haben die meisten Wendlinger derzeit nur ein Ziel, nämlich das Gelände der sich gerade im Bau befindlichen neuen Anlagen des Sportparks am Wendlinger Speckweg.
Jahrzehnte hat es gedauert, bis der ansässige Turn- und Sportverein sowie die Stadt die Weichen für das neue Wendlinger Sportgelände gestellt hatten. Lässt man aber nun den Blick über die Landschaft schweifen, die zuvor zum größten Teil von Kleingartenanlagen und Äckern geziert wurde, kann man bereits die Dimension der neuen Sportanlage erkennen. Das Stadion, der Kunstrasenplatz und all die anderen neuen Einrichtungen haben bereits konkrete Formen angenommen; die Sporthalle ist gar schon in Benutzung. Zwischen Halle, Stadion und Spielfeldern hindurch fällt insbesondere ein Gebäude ins Auge, gewissermaßen das zukünftige Herzstück: Das neue Vereinsheim des TSV Wendlingen.
Am 17. Oktober wurde schließlich Richtfest am Rohbau der neuen Bleibe des Vereins gefeiert. Bei herrlicher Witterung waren viele Vereinsmitglieder gekommen, um den Stand der Baumaßnahmen zu begutachten sowie auf das neue Clubhaus anzustoßen. „Das Bauwerk hier ist nicht gewöhnlich und keinem in Wendlingen auch nur ähnlich.” – Mit diesem unreinen Reim leitete Bauleiter Siegfried Weiss von der Firma Bittermann & Weiss Holzhaus, ein Handwerksbetrieb für Fertighäuser, den der TSV Wendlingen mit der Herstellung des Gebäudes beauftragt hatte, den Richtspruch ein. Zudem freute er sich zusammen mit seinem Kollegen Thorsten Rau und dem Vorsitzenden des TSV Erhard Kaiser über den schnellen und reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten.
Der Rohbau mit der offenen Konstruktion und seinen markanten Holzverkleidungen dauerte vom Spatenstich am 20. August aus gerechnet knapp zwei Monate. Durch eigene Entwürfe und Pläne konnte der Verein Fremdkosten von bis zu 20.000 Euro einsparen, so dass er die Investitionen von insgesamt knapp 300.000 Euro, auch dank der Entschädigung für das bestehende Clubhaus am alten Stadion an der Lauter und eines Zuschusses durch die Stadt, stemmen konnte. Außerdem rechnet Präsident Kaiser noch mit einer weiteren Finanzspritze durch den Württembergischen Landessportbund.
Dass es bei Bauvorhaben von Vereinen bisweilen langsamer zugehen kann, wissen nicht nur die Wendlinger Vereinsmitglieder, die schon seit Jahrzehnten von dem neuen Sportgelände träumen, sondern das berichtet auch Bauleiter Siegfried Weiss: „Viele Zuständigkeiten und Verantwortliche erschweren die Koordination immens”, so der Diplom-Ingenieur, „aber mit dem TSV Wendlingen hatten wir eine gute, konstruktive Zusammenarbeit.” Der Verein als kompetenter Partner sozusagen. Diese Kompetenz soll nun, da der Innenausbau ansteht, von den Vereinsmitgliedern eingebracht werden. Eigeninitiative ist also gefragt. Genauso wie bei der künftigen Bewirtung des Clubheims, das bewusst nicht zur Pacht ausgeschrieben wurde.
TSV-Präsident Erhard Kaiser geht von einer Fertigstellung „zum späten Frühjahr” aus. Dann wird das zweistöckige Gebäude, das sich zum Stadion und zur Sporthalle hin öffnet und in eine große Terrasse mündet, voll bezugsfertig sein. Zur Verfügung stehen dann nicht nur der mit ganzen 77 Quadratmetern recht große Clubraum mit sich anschließender Küche und Getränkelager im Obergeschoss, sondern im Untergeschoss neben den sanitären Einrichtungen auch ein Schulungsraum, ein Abstellraum sowie ein Büro- und Besprechungszimmer. Außerdem weist der ökologische Bau aus Glas und Holz einen sehr geringen Energieverbrauch auf.
Der Haupteingang zum Gebäude befindet sich im oberen Geschoss. Wenige Treppenstufen sowie ein Fußweg führen an der neuen Sporthalle vorbei zum Eingangsbereich mit beeindruckendem Blick auf alle künftigen Spielfelder. Das Grundstück selbst wurde von der Stadt Wendlingen in Erbpacht zur Verfügung gestellt. In einem zeitlich noch nicht festgelegten zweiten Bauabschnitt sollen zu der Sporthalle, dem Stadion, Kunstrasen sowie Trainingsplatz noch ein zusätzliches Kunstrasen- und Rasenspielfeld hinzu kommen. Noch eine weitere, an das Clubhaus angrenzende Fläche wurde angepachtet, um dort Platz zu schaffen für bislang noch nicht eingeplante Anlagen wie beispielsweise ein Beach-Volleyball-Feld. In jedem Falle soll neben dem Vereinsheim ein Kinderspielplatz entstehen.
Insgesamt bietet das neue Stadion inklusive Vereinsheim dem TSV ganz andere Möglichkeiten als noch die altehrwürdige Heimat an der Lauter. Traditionalisten haben aber noch bis Mitte 2009 Zeit, sich vom Lauterstadion zu verabschieden; denn die Rasenplätze am Speckweg werden erst zur neuen Saison fertig sein. Das Kunstrasenspielfeld kann allerdings bereits ab Januar genutzt werden. Zu diesem Zeitpunkt wird im alten Stadion einer der beiden Plätze abgerissen und einer Wohnbebauung zugeführt worden sein.
Nun fehlt dem neuen Sportpark nur noch ein adäquater Name, nachdem ein sogenannter Ideenwettbewerb am Ende nur den schon vorhandenen, eher provisorisch ausgewählten Namen „Im Speck” hervorgebracht hat. Naja, Selbstbewusstsein klingt anders. Aber es ist ja noch Zeit.














