Gut 120 zahlende Zuschauer waren gekommen, um das Aufeinandertreffen der Lokalnachbarn im Wendlinger Lauterstadion zu verfolgen. Mit den Wernauer Sportfreunden gastierte in Wendlingen der Tabellenvorletzte, der in den letzten Jahren immerhin in der Bezirksliga gestanden hatte. Doch dieses Kapitel ist geschlossen; die Realität sieht anders aus. Nicht wenige Kenner der Liga sprechen bereits von einem direkten Durchgereicht-Werden in die Kreisliga B. Das Torverhältnis von 11:35 nach elf absolvierten Partien spricht Bände und hat sich nach der zwölften Begegnung nicht gerade verbessert: Der TSV gewann hochverdient mit 4:1.
Dabei musste Wendlingens Trainer Matthias Schwarz sowohl auf Routinier und Mittelfeldabräumer Steffen Lorch als auch auf Stürmer Christopher Amend krankheitsbedingt verzichten. Also keine optimalen Voraussetzungen für sein junges Team, nach drei Pleiten in Serie den Abrutsch in die untere Tabellenhälfte zu verhindern sowie den Anschluss nach oben zu wahren. Aufgrund der sehr engen Tabellensituation und dem überraschenden Punktgewinn der Gäste die Woche zuvor gegen den TSV Denkendorf (0:0) sprach Schwarz im Vorfeld zurecht von einer „richtungsweisenden Partie”.
Gleich zu Beginn hatten die Gastgeber die große Möglichkeit zur frühen Führung, aber der für Amend aufgebotene A-Junior Florian Neumann scheiterte nach einem feinen Pass in die Tiefe Jonatan Ghebremariams am Wernauer Schlussmann. Die anschließende Ecke brachte nichts ein. Nach einer Viertelstunde Spielzeit gingen dann überraschend die Gäste in Front, als Schiedsrichter Klaus Kämmler im Wendlinger Strafraum auf den Punkt zeigte – eine krasse Fehlentscheidung, denn TSV-Abwehrspieler Alexander Valet hatte im Zweikampf mit Wernaus einziger Spitze Tobias Gehle mehr als eindeutig den Ball gespielt. WSF-Spielmacher Erdinc Caliskan ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte souverän zum 0:1.
Der Treffer vom Elfmeterpunkt war bis dato und blieb auch lange Zeit die einzige nennenswerte Offensivaktion der Sportfreunde, die ihr Heil weiter in der Defensive suchten und sehr tief standen. Daher war es für den TSV auch nicht einfach, zu großen Ausgleichsgelegenheiten zu kommen. Am meisten Gefahr brachten Standardsituationen; doch das eine Mal köpfte der aufgerückte Verteidiger Uwe Plitt freistehend über das Gehäuse, beim zweiten Mal flog er knapp am Ball vorbei. Schließlich ging es mit der Wernauer Führung in die Kabinen.
Nur zwei Minuten nach dem Seitenwechsel war es dann aber soweit, und Angreifer Benjamin Haufe enteilte der Gäste-Abwehr, um kurz darauf zum Ausgleich einzuschießen. In der Folgezeit blieb der TSV Wendlingen zwar weiterhin das drückend überlegene Team, der zweite Torerfolg ließ jedoch lange auf sich warten. Florian Neumann wurde, nachdem er zuvor zwei Mal per Kopf knapp den Führungstreffer seiner Mannschaft verpasst hatte, für seinen unermüdlichen Einsatz belohnt, als er in der 75. Minute vom Wernauer Keeper elfmeterreif von den Beinen geholt wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Wendlingens Kapitän Thorsten Gohl sicher zum 2:1, was letztlich der Entscheidung gleichkam.
Die Wernauer SF schwächten sich daraufhin noch selbst: Erst bekam Michael Friedmann wegen Meckerns in der 80. Minute den Gelb-Roten Karton gezeigt, dann bugsierte Vedat Atantas unmittelbar darauf einen Kopfball Ercan Topdags ins eigene Gehäuse. Den Schlusspunkt setzte zwei Minuten vor Ende der Begegnung der auf Gastgeberseite kurz davor eingewechselte Osman Özkara junior, indem er eine scharfe Hereingabe Gohls von der rechten Seite zum 4:1-Endstand über die Linie drückte.
Auch wenn die Schwarz-Elf den Heimsieg letztlich erst in der Schlussphase herausschoss, war dieser hochverdient. Es zeichnet sich ab, dass der TSV Wendlingen in dieser Saison wohl nichts mit dem Abstieg zu tun haben wird – die Wernauer Sportfreunde umso mehr.














