Bei der Pressekonferenz am Sonntag Morgen trägt Neu-Teamchef Markus Babbel Cowboy-Stiefel, sein Brilli im Ohr glitzert im Scheinwerferlicht. Ob „abseits”-Inhaber Winni Klenk, sein Spezi in Mode-Fragen, ihn heute Morgen noch beraten hat? Spielt an sich keine Rolle, denn anders als bei Babbels Stippvisiten am oberen Schlossplatz geht es in erster Linie um seine Beförderung und darum, wie er wieder Farbe ins inzwischen grauer als grau gewordene Spiel des VfB Stuttgart bringen will.
Der 36-Jährige präsentiert sich selbstbewusst, voller Elan. „Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme mit mir”, stellt Babbel unmissverständlich klar, dass ein Schmusekurs unter seiner Regie ganz und gar nicht im Trend liegt. Als ehemaliger Spieler, der auf eine große Karriere mit all ihren Höhen und Tiefen zurückblicken kann, weiß er natürlich, dass in der jetzigen Situation auch nichts Anderes auf dem Plan stehen kann. „Es liegt jetzt an mir, dass der Verein aus dieser schwierigen Situation herauskommt. Dafür werde ich alles tun.” Seinen Worten Taten folgen ließ der Bayer gleich an seinem ersten Tag als Chef im Ring: Den freien Montag strich er zugunsten einer Doppel-Einheit und, um ein Zeichen an die jungen Spieler zu setzen, holte er in Sebastian Rudy einen Nachwuchsmann in den Kader, der unter Armin Veh zuletzt keine Rolle mehr gespielt hatte. „Den Jungen muss wieder bewusst werden, dass die Chance, Bundesligaprofi zu werden, in keinem Verein größer ist als beim VfB.” Damit gibt Babbel eine wichtige Richtung vor, die in den letzten Monaten eindeutig zu kurz gekommen ist, nämlich auf die Talente aus der eigenen Jugendarbeit zu bauen. Während jene beim Hoffenheimer Tabellenführer fleißig an ihren Bewerbungsunterlagen für die Nationalmannschaft feilen, setzte man ihnen in Stuttgart beispielsweise Danijel Ljuboja vor die Nase und verlor damit nicht nur die konzeptionelle Struktur der Zeit der jungen Wilden aus den Augen, sondern in erheblichem Maße auch das typische Identifikationspotential, eigentlich eine große Stärke des Vereins in der Vergangenheit.
Eine große Identifikationsfigur ist der Europameister von 1996 allemal, auch ohne Mode Exquisit. Viermal Deutscher Meister, zweimal DFB-Pokal-Sieger, ebenso oft UEFA-Pokal-Gewinner, 51 Länderspiele. Im Jahr 2000 wechselt er vom FC Bayern München zum FC Liverpool und holt mit dem englischen Traditionsclub als Stammspieler auf Anhieb fünf Titel. Als sich seine aktive Karriere so langsam dem Ende neigt, erkrankt er infolge des Pfeifferschen Drüsenfiebers am Guillain-Barré-Syndrom, einer seltenen Fehlsteuerung des Immunsystems. Acht Monate danach hat er sich wieder zurückgekämpft, um schließlich im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 gar noch einmal zum erweiterten Aufgebot der Nationalelf zu gehören. Den Abschluss seiner aktiven Karriere feiert er zu guter Letzt beim VfB Stuttgart – mit der Meisterschaft 2007.
Direkt im Anschluss an seinen letzten Titel wechselt Markus Babbel in den Stuttgarter Trainerstab. „Ich habe in dieser Zeit unheimlich viel lernen können”, sagt er rückblickend, freut sich nun aber mit großer Neugier und Spannung auf seine Aufgabe, „ähnlich wie vor meinem ersten Bundesligaspiel”. Und der VfB tut gut daran, Babbel den Rücken zu stärken, auch wenn er bisher nicht über eine Fußballlehrer-Lizenz verfügt. Die Anmeldung dazu lag bereits ausgefüllt in der Schreibtischschublade, ehe es ganz schnell ging und er sich im Handumdrehen in vorderster Reihe wiederfand. Ihm zur Seite gestellt ist Rainer Widmayer, zuletzt Co-Trainer von Krassimir Balakov in St. Gallen.
Nach der Veh-Freistellung kursierten ersteinmal wieder eine Handvoll der üblichen Verdächtigen des Trainerkarussells durch die Medien, absurde Vorschläge wie Wolfgang Wolf, Thomas Doll oder Klaus Augenthaler inbegriffen, die allesamt überhaupt nicht ins Stuttgarter Anforderungsprofil passen. Je länger man über eine Dauerlösung Babbel/Widmayer nachdenkt, desto mehr Sinn macht sie. „Ich war als Spieler ein Mann an der Front, und das möchte ich auch als Trainer sein”, bringt Babbel es selbst auf den Punkt. Babbel macht was her, nicht nur wegen der Klamotten vom „abseits”. Seine erste Trainingseinheit leitete er lautstark mit einer Wollmütze des vereinsinternen Ausrüsters. Was Winni Klenk dazu wohl sagen wird?














