Theo gegen den Rest der Welt

Alexander Valet | 27. Nov. 2008 | 0 Kommentare
Der Deutsche Fußball-Bund und sein Präsident Theo Zwanziger sind in den vergangenen Wochen schwer aneinander geraten mit einer Öffentlichkeit, die sich so ganz und gar nicht verhält, wie es die Sportfunktionäre gerne hätten. Der Versuch, einen Journalisten gerichtlich an seiner Arbeit zu hindern, geht nach hinten los. Plötzlich schlägt der Konsument zurück und lässt sich vom Apparat des DFB nicht einschüchtern. Es geht um große Egos, Demagogen und die Meinungsfreiheit.

Der Sportjournalist Jens Weinreich hatte in einem Kommentar auf dem Blog direkter-freistoss.de den Präsidenten des DFB, Dr. Theo Zwanziger, als „unglaublicher Demagoge” bezeichnet. Er bezog sich auf einen Auftritt von Zwanziger bei einem Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes in Köln Ende Juli des Jahres, wo dieser die Probleme des deutschen Fußballs, in internationalen Wettbewerben zu bestehen, auf das Bosman-Urteil zurückführte und über die Entscheidung des Bundeskartellamtes zur Vermarktung der Fernsehrechte der Saison 08/09 wetterte.

Dieser Kommentar setzte eine Lawine von Presseerklärungen, einstweiligen Verfügungen, Zeitungsartikeln, Blogbeiträgen und anderer Nachrichtenmeldungen in Gang, die mehr als unübersichtlich ist. Es wird über die Semantik des Begriffs Demagoge gestritten, über Zeitpunkt und Ort von Erklärungen und Gegenerklärungen, es wird versucht, Fakten zu schaffen und Stimmung zu machen. Aus alledem ergibt sich ein Lehrstück über Kommunikation, Öffentlichkeit und Meinungsfreiheit im Jahre 2008.

Der Einfachheit halber verweise ich hier auf eine Sammlung von Links, die den Zwanziger-Weinreich-Komplex betreffen. Alle relevanten Informationen sind dort zu finden.

Theo Zwanziger wird mit dem Satz zitiert: „Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.” Was er dabei nicht verstanden hat – und mit ihm wahrscheinlich der gesamte DFB nicht – ist, dass Kommunikation heutzutage keine Einbahnstraße ist. Wie aber seine Einstellung zu Öffentlichkeit und Transparenz ist, lässt sich gut an den Reaktionen des DFB auf diese „Affäre” nachvollziehen. Weinreich hat auf seiner Website eine Übersicht erstellt: Das Lügengebilde des DFB

Über die Titulierung als „unglaublicher Demagoge” kann man sicher streiten, die Art und Weise, wie aber der DFB versucht, einen kritischen Journalisten in einer konzertierten Aktion zu diskreditieren und somit seiner Lebensgrundlage zu berauben, ist mehr als nur Missbrauch einer Machtposition als größter Sportverband der Welt.

Wie das Landgericht Berlin in seinem Beschluss vom 09.09.2008 schon völlig richtig bemerkte, führt die Tatsache, dass Diktatoren demagogisch agieren mögen, jedenfalls nicht zu dem Schluss, „dass derjenige, den man einen Demagogen nennt, mit einem Diktator gleichzusetzen wäre”.

Dabei hätte man es belassen können. Gestern hat der DFB nun erklärt, dass Theo Zwanziger gegen die Diffamierung durch Jens Weinreich klagen wird. Der Machtkampf geht weiter.

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