Nun rücken in diesem Winter doch keine Bagger auf der Waldau an, um das Stadion der Stuttgarter Kickers in eine drittligataugliche Arena zu verwandeln. Der DFB besteht in seinen Auflagen für die zu dieser Spielzeit neu gegründete Dritte Liga auf 10.000 Zuschauerplätze, 2000 davon als Einzelschalensitze, hinzu kommen großzügige Presse- sowie VIP-Plätze; zudem existieren aufgrund der dazu gestoßenen Mannschaften aus den neuen Bundesländern gesteigerte Sicherheitsbestimmungen. Für diese hat die Stadt bereits einen hohen sechsstelligen Betrag investiert und provisorische Container für die Einsatzkräfte der Polizei errichten lassen. Nun müssten mindestens noch weitere 150.000 Euro in die Sicherheit des Gazi-Stadions fließen, für zwei zusätzliche Polizei-Container sowie für die Verbesserung der Videoüberwachung. „Wir haben hier aber gar kein Sicherheitsproblem”, betont Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann.
Und nicht nur in puncto Sicherheit ist der DFB mal wieder übers Ziel hinaus geschossen. Auch hinsichtlich der Zuschauerkapazität drängen sich Fragen auf, deren Antworten umso deutlicher die Überzogenheit der Anforderungen für die Dritte Liga aufzeigen. Wozu brauchen Vereine, wie eben die Kickers, ein Stadion mit 10.000 Plätzen, wo der Zuschauerschnitt nicht einmal die Hälfte dessen beträgt? Gewiss, der DFB will in die Zukunft denken, die eine immer größere Vermarktung seines „Fußball-Produkts” vorsieht, übersieht dabei jedoch anscheinend die regionalen Gesetzmäßigkeiten, sowohl der Anhängerschaft als auch der Kommunen. Die Zeiten, in denen Städte wie Vereine auf Rosen gebettet schienen, sind jedenfalls vorbei.
Die Stadt Stuttgart hat sich jetzt folgerichtig dazu entschieden, dass im laufenden Doppelhaushalt 2008/09 nur die Bauprojekte weiterverfolgt werden, die schon beschlossen sind und deren Mittel bereits zur Verfügung stehen. Der Um- und Ausbau des Gazi-Stadions gehört nicht dazu, da noch nicht finanziert. Zudem käme die Umsetzung des Projekts nun viel teurer als vorgesehen. Innerhalb weniger Monate hatten sich die Kosten von 5,4 Millionen Euro auf 6,9 Millionen um satte 27 Prozent erhöht. Ärgerlich, und mit „Preiserhöhungen” und „technischen Zusatzanforderungen” nennt Stuttgarts Sportamtsleiter Günther Kuhnigk die Gründe. Mehrkosten würden desweiteren auch für die Ertüchtigung der Haupttribüne sowie für den Brandschutz anfallen. Der ursprünglich auf etwa sieben Millionen Euro geschätzte Vorschlag, die Tribüne gleich ganz abzureißen und neu zu bauen, käme jetzt sogar auf mindestens 8,5 Millionen.
Stuttgart lässt also Vernunft walten, wo Vernunft angebracht ist. Wann die Stadt das Thema wieder aufgreift, ist noch nicht abzusehen. Sollten die stets klammen Stuttgarter Kickers aus der Dritten Liga absteigen, könnte das Vorhaben letztlich auch ganz vom Tisch sein, auch wenn das die Fans mit der ganz blauen Vereinsbrille nicht gerne hören würden. Vertröstung fanden diese bei der Mitgliederversammlung des Vereins, bei der Präsident Dirk Eichelbaum von einer „vorerst zweijährigen Verzögerung” sprach.
Vom DFB ist nun nicht nur im Lizenzierungsverfahren der Vereine ein Entgegenkommen gefordert, sondern er sollte seine Politik anlässlich der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise ohnehin hinterfragen. Die Dritte Liga läuft unabhängig davon jedenfalls sowieso Gefahr, ein Kind aus der Retorte zu werden.














