Timo kommt wieder nach Haus'

Timo kommt wieder nach Haus'

Die Redaktion | 10. Dez. 2008 | 3 Kommentare
Timo Hildebrand wirkte in den letzten Monaten wie zum Schüler degradiert. Im Sommer 2007 noch als Klassenprimus, zudem mit der Meisterschale als Abschlussauszeichnung im Bewerbungsschreiben zum Auslandspraktikum in Valencia, Spanien, angetreten, wurde er vergangene Woche wieder nach Hause geschickt – mit desaströsem Arbeitszeugnis. Was macht man nun in einem solchen Fall? Richtig, nach Hause gehen, Kuchen essen, Tee trinken. Und als hätte man es nicht geahnt: An der Elite-Uni einschreiben.

Jaja, man lernt nie aus. Auch Timo Hildebrand nicht, einst Torhüter in Diensten des VfB Stuttgart. Unvergessen seine Jahrhundertparade zur Meisterschaft in Bochum. Doch die bösen Zungen interpretierten seine reifen Leistungen stets unter dem Motto „Jugend trainiert für Olympia”. Schade, denn an sich ist Hildebrand ein hervorragender Torwart, und das jugendliche Alter hat er mit seinen nunmehr 29 Jahren auch schon hinter sich gelassen. Auf dem Olymp angekommen ist er nicht.

„Wir wünschen Timo Hildebrand auf seinem weiteren sportlichen Weg viel Glück”, so verlautete es in der knappen, aber aussagekräftigen Erklärung des FC Valencia zur Vertragsauflösung. Was so viel heißt wie: „Hau ab, du Depp!” Hinter dem Engagement des siebenfachen deutschen Nationalspielers beim spanischen Traditionsverein bleibt somit ein dickes Fragezeichen. Nachdem Hildebrand sich noch in einem monatelangen Kampf um die Vormachtstellung im Tor gegen den Mobbingspezialisten Santiago Cañizares durchgesetzt hatte, fiel er unmittelbar danach hinter dem neu dazu geholten Brasilianer Renan Brito zurück, zuletzt sogar hinter Azubi Vicente Guaita. Diese Saison bestritt er weder in der Primera División noch im spanischen Pokalwettbewerb ein einziges Spiel; das letzte machte er am 24. August im Supercup gegen Real Madrid (2:4).

Lässt man die eineinhalb Jahre in Valencia Revue passieren, fällt natürlich auf, dass sich Hildebrand trotz des Zwischenhochs vor allem im eigenen Verein nie durchsetzen konnte. Von den Gegnern in der Liga hoch gelobt, aber im eigenen Lager stets ohne Rückendeckung. Öffentliche Bekenntnisse Fehlanzeige. Woran mag das liegen? Von seinem umstrittenen Berater-Umfeld soll sich der ehemalige Stuttgarter Musterschüler nun getrennt haben und Nachhilfe von Beckenbauer-Manager Marcus Höfl bekommen. Jedenfalls verlautbarte kurz nach der Vertragsauflösung, es gäbe bereits konkrete Angebote „nicht nur aus der Bundesliga, auch aus England und dem französischen Raum”. Fast musste man befürchten, Hildebrand werde vielleicht in die französische Schweiz oder nach Belgien verscherbelt. Aber, wie schon gesagt, man lernt nie aus. Das Boulevardblatt mit den vier großen Lettern wusste es mal wieder als erstes: Hopp holt Hildebrand.

Den Fußball-Professor wird’s freuen.
Kommentar Nr. 1
Timo's Favourite | 10. Dez. 2008 | 12:41
Bleibt zu hoffen, dass Timo seine Lektion auch gelernt hat. Man sollte von einem fast 30-jährigen Spitzensportler von internationalem Format eigentlich eine selbständige Karriereplanung erwarten können. Berater sollten lediglich beraten. Weiß kein Mensch, warum er so lange an einem ganzen Stab an zwielichtigen Beratern festgehalten hat, die vermutlich selbst am meisten profitiert haben. Hoffenheim sei Dank, sonst könnte er seine Karriere jetzt begraben.
Kommentar Nr. 2
VfB-Anhänger | 11. Dez. 2008 | 00:06
Als Roter erinnere ich mich noch sehr gut an die berühmt-berüchtigte Pressekonferenz 2005, in der der Keeper seine Herzensentscheidung, beim VfB zu bleiben, damals vom Blatt ablesen musste. Nur soviel zu Herrn Berater Bukovac.
Kommentar Nr. 3
Jochen | 12. Dez. 2008 | 10:51
Seine letzte Chance, sag' ich mal, und besser hätte es nicht laufen können. Viele Möglichkeiten gab es ja nicht für ihn. Wenn er aber in Hoffenheim nicht die Kurve kriegt, war's das endgültig mit der Karriere. Das ganze Theater in Valencia hat sicher mit seinem Berater zu tun. Der Timo ist doch keiner, der groß Ärger macht!

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