Die Winterpause eignet sich stets gut, um sich mit etwas Abstand ein genaues Bild zur Lage der Nation zu verschaffen – oder auch zur Lage des VfB Stuttgart. Also betrachtete ich kürzlich die Bundesliga-Tabelle nochmals etwas genauer, wobei die einzige Frage nur die Größe des Vorsprungs auf Platz 2 zu sein schien. Doch hoppla, wo war der VfB? Hoffenheim an der Tabellenspitze? Hoffenheim? Das ist doch nur ein kleiner Stadtteil... Bayern auf dem zweiten Platz. Wo war denn Stuttgart? Schließlich fiel es mir ein: Platz 10 mit sieben Punkten Rückstand auf Bayer Leverkusen, seinerseits momentan auf dem letzten UEFA-Cup-Platz.
Was ich damit sagen will?
Liebe VfB-Fans, schärft eure Sinne und seid euch der gegenwärtigen Lage bewusst. Angesichts der Tatsache, dass finanzstärkere und qualitativ besser besetzte Mannschaften wie Werder Bremen, der VfL Wolfsburg oder auch der FC Schalke 04 direkt vor dem VfB liegen und ihrerseits eine mittelmäßige (Wolfsburg) bzw. katastrophale (Bremen, Schalke) Vorrunde gespielt haben, dürfte realistisch betrachtet einzig Borussia Dortmund überholt werden können und somit am Ende ein grandioser neunter Platz herausspringen.
„Ja, aber dafür werd’ mer d’r UEFA-Cup hole!”, wird jetzt der eine oder andere VfB-Sympathisant entgegnen. Allerdings ist auch diese Einschätzung eher in den Bereich eines Wunschgedankens zu verweisen. Da der VfB in seiner Gruppe Zweiter geworden ist, ja immerhin den zweimaligen Cup-Sieger FC Sevilla auf Platz 4 verdrängt hat, bescherte die Auslosung den Schwaben am 17.12.2008 in Nyon als Achtelfinalgegner niemand Geringeren als den Titelverteidiger Zenit St. Petersburg. Übersteht man dieses Los, sollte man angesichts der weiteren hochkarätigen Teams wie dem AC Mailand, Manchester City oder auch dem (seit Hildebrands Ausmusterung) wiedererstarkten FC Valencia zufrieden sein.
Eure Euphorie, liebe VfB-Anhänger, ist nach dem berühmten Ruck, der nach Vehs Abgang durch die Mannschaft gegangen ist, ja nachvollziehbar; aber freundet euch damit an, dass die Saison im Mittelmaß enden wird. Erfolge gegen „Übermannschaften” der Hinrunde wie Cottbus und Schalke sowie ein Unentschieden gegen eine müde und lustlose Bayern-Elf vor Weihnachten machen noch lange keinen Meister. Selbst der Kommentator des Europapokalspiels gegen Standard Lüttich schien von der schwäbischen Euphorie angesteckt worden zu sein, als er das Tor von Ciprian Marica als „Weltklassetor aus 30 Metern” deklarierte.
Wie schon gesagt: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.














