Die Schiedsrichtergruppe Nürtingen

Peter Schwarz | 3. Feb. 2009 | 0 Kommentare
Als der beste Schiedsrichter gilt derjenige, den man gar nicht bemerkt. Dieser Gedanke hat es mittlerweile zu einiger Popularität gebracht. Dabei ist der Schiedsrichter der eigentliche Spielmacher – im wahrsten Sinne des Wortes. Unparteilich und unbestechlich, manchmal – so hört man – auch blind und taub. Sie stehen auf beiden Seiten und doch auf keiner, und die wenigsten kennen sie. Grund genug, die Schiedsrichtergruppen der Region und die Menschen dahinter vorzustellen. Heute: Die SRG Nürtingen.

Die Anfänge

Im Kreis Nürtingen wurde zuvor bereits seit Jahrzehnten Fußball gespielt, als sich drei Idealisten 1932 dazu entschlossen, die Schiedsrichter des Kreises in einer selbständigen Organisation zusammenzuschließen und für den Fußball sowie die Schiedsrichtersache der Region echte Pionierarbeit zu leisten. So gründeten die Nürtinger Schiedsrichter Paul Gutbrod, Friedrich Birkmaier und Adolf Brodbeck auf Gutbrods Initiative hin die heute in dieser Form bestehende Schiedsrichtergruppe Nürtingen. Unter dem Vorsitz Paul Gutbrods umfasste die Gruppe im Jahr ihrer Gründung 12 Mitglieder, zwei Jahre später waren es bereits 20.

Aufbauarbeit in den Nachkriegsjahren

Doch die Vorboten des Zweiten Weltkrieges machten die Anfangsjahre gewiss nicht einfach. Ein geregelter Spielbetrieb war vor sowie während der vielen Entbehrungen des Krieges kaum möglich. Und auch nach dem Krieg musste vieles erst wieder zu neuem Leben erwachen – so auch im Sport. 1946 begann die Schiedsrichtergruppe, sich neu zu formieren. Der neue Obmann hieß Karl Wieland, der den Vorsitz schon 1938 von Paul Gutbrod übernommen hatte und in den Nachkriegsjahren die ersten Lehrgänge für Neulinge durchführte. Wenige Jahre später stießen die Zizishausener Hans Krämer und Max Keller hinzu, die Wieland in dieser nicht leichten Aufgabe tatkräftig zur Seite standen. Keller war in den Folgejahren schließlich als Verbandslehrwart tätig. In jener Zeit stieg die Zahl der Schiedsrichter bis Ende der Fünfziger Jahre erstmalig auf 60 an.

Mehr Quantität bedeutete mehr Qualität

Anfang der Sechziger Jahre übergab Karl Wieland sein Amt nach 23 Jahren intensiver Aufbauarbeit an den späteren Bundesliga-Schiedsrichter und FIFA-Assistenten Peter Steigele. Dieser hatte seine insgesamt 13-jährige Amtszeit dem Ziel verschrieben, die Schiedsrichtergruppe Nürtingen sowohl in der Quantität als auch in der Qualität zu verbessern – mit Erfolg. So stieg die Breite wesentlich und bildete den Erfolg der Gruppe in der Spitze, die durch die konstruktive Arbeit der Verantwortlichen sowie den Einsatz des Einzelnen einen guten Stamm an Amateurliga-Schiedsrichtern hervorbrachte. Zu ihnen gehörten u.a. Max Keller, Paul Grotta, Hans Balla, Karl Wieland junior und Eugen Oesterle.

1973 war die Anzahl von 100 Mitgliedern erreicht. Zwei Jahre später übernahm Eugen Oesterle, heutiger Ehrenobmann, das Amt des Obmannes von Peter Steigele, der den Vorsitz aufgrund seiner eigenen Belastungen durch erhöhten internationalen Einsatz zeitlich nicht mehr aufbringen konnte. In Oesterles 18-jähriger Amtszeit stieg die Schiedsrichterzahl auf 152 weiter an. Unter dessen Fittichen wurde Karl Bauer in die höchste Amateurklasse berufen und auch als Assistent in der zweiten Bundesliga eingesetzt. Ihm wäre vermutlich auch der Sprung in die 1. Liga geglückt; doch er tauschte seine eigenen Kickstiefel erst nach Ende seiner aktiven Fußballerzeit gegen die Pfeife ein.

Seit 1993 leitet nun Klaus Bühler als Obmann die Geschicke der Gruppe. Nochmals konnte die Schiedsrichterzahl gesteigert werden und nähert sich seit dem 75-jährigen Bestehen 2007 allmählich der 200er-Marke an. Zur Zeit sind 180 Schiedsrichter für die Nürtinger Gruppe aktiv, darunter fünf Frauen; neun Unparteiische üben ihre Mitgliedschaft lediglich passiv aus. Das Durchschnittsalter beträgt knapp 37 Jahre, wobei die größten Gruppen (jeweils etwa 25%) die 17- bis 20-Jährigen und die 40- bis 60-Jährigen bilden. Den enormen Zuwachs an Jugendlichen verdankt man der Gründung einer Jung-Schiedsrichtergruppe im Jahr 1995.

Förderkader, Förderverein und Ausschuss

Um die Qualität einzelner Schiedsrichter weiter zu steigern, wurde ein Förderkader ins Leben gerufen, der in erster Linie aus jungen Talenten besteht, die Interesse haben, zum Spitzenschiedsrichter aufzusteigen. Ziel des Kaders ist, den jungen Schiedsrichtern die Möglichkeit auf eine Karriere im Schiedsrichterwesen zu gewähren und diesbezüglich frühzeitig Talente zu erkennen und zu fördern. Dazu gehören sowohl die aktive Betreuung bei Spielleitungen als auch regelmäßige Treffen zur Leistungsanalyse und zum Austausch. Im Gegenzug erwartet die Schiedsrichtergruppe natürlich überdurchschnittlichen Einsatz und aktives Mitgestalten innerhalb der Gemeinschaft, regelmäßige Spielleitungen sowie Leistungsprüfungen in Theorie und Praxis.

Mit dem Ziel, allen Schiedsrichtern außerhalb ihrer Heimatvereine eine weitere Heimstätte zu bieten, wurde 2001 der Förderverein der Schiedsrichtergruppe Nürtingen gegründet, der zudem für die Abwicklung der finanziellen Aufgaben zuständig ist. Vorsitzender ist Harald Kuhn, gleichzeitig auch stellvertretender Obmann. Zu den Aktivitäten des Fördervereins gehören u.a. Ausflüge, das Ausrichten von Turnieren für Schiedsrichtermannschaften, die Teilnahme an Turnieren mit dem eigenen Schiedsrichterteam, Besuche bei Bundesligaspielen, Skatturniere sowie die mittlerweile obligatorischen Kameradschaftsabende im Gemeindehaus Omni im benachbarten Frickenhausen.

Neben Ehrenobmann Eugen Oesterle, Obmann Klaus Bühler sowie seinem Stellvertreter Harald Kuhn gehören dem Ausschuss der Einteiler bei den Aktiven Bernd Schraitle und der Einteiler bei der Jugend Frieder Thiehoff an; Schriftführer ist Daniel Geywitz, Jugendkoordinator Holger Böhm, und mit Sezgin Coskun verfügt der Ausschuss sogar über einen Ausländerbeauftragten. Klassenhöchster Schiedsrichter ist zur Zeit Johannes Steck, der in der Oberliga zum Einsatz kommt.

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