Sicherlich ist es richtig, dass die Verantwortlichen versucht haben, Andreas Beck zum Bleiben zu überreden. Doch Beck, der konstante, gute Leistungen in der U21 abgeliefert hatte, sah nach einer für ihn persönlich enttäuschenden Saison (nur 12 Spiele von Anfang an) keine sportliche Perspektive mehr und verließ den Verein folgerichtig Richtung Hoffenheim. Die Frage darf allerdings gestellt werden, warum ein schwacher Osorio einem hoffnungsvollen und talentierten Beck vor die Nase gesetzt wurde.
Dass es Andreas Beck jetzt innerhalb von einem halben Jahr bis in die A-Nationalmannschaft geschafft hat, wird wie eine Ohrfeige für Heldt & Co sein und stellt die Frage nach der Qualifikation der sportlichen Leitung. Ebenso der Fall Tobias Weis, der in Stuttgart nie über den Status des Amateurspielers hinauskam und jetzt bei der TSG zum Stamm- und sogar Nationalspieler geworden ist, bestätigt diesen Eindruck.
Doch betrachten wir Heldts bisherige Amtszeit ganz nüchtern: Gekommen im Januar 2006 als Teammanager, entließ er Giovanni Trapattoni und verpflichtete stattdessen den bis dahin recht erfolgslosen Armin Veh. Im Sommer dann wurden die Spieler Osorio, Pardo, Hilbert und da Silva geholt, die sich alle als Glücksgriff erwiesen und den Verein zusammen mit einem überragenden Timo Hildebrand und den „jungen Wilden der Zweiten Generation“ (Gomez, Khedira, Beck, Tasci) zur Meisterschaft führten. Heldt und Veh galten zu diesem Zeitpunkt als ein unzertrennliches Duo, das sich durch den Einsatz von jungen Spielern – geschuldet der finanziellen Schieflage – und clevere Transferpolitik auszeichnete. Eine Euphoriewelle schwappte den Necker entlang. Doch wie so oft war der Erfolg nur von kurzer Dauer.
Allen war klar, dass die Doppelbelastung nur gemeistert werden könne, wenn der Kader sowohl in der Breite als auch in der Spitze verstärkt werden würde. Umso überraschender war die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt mit den damit verbundenen Verpflichtungen von Gledson, Schäfer, Bastürk und – mit 7 Millionen Euro der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte – Ciprian Marica. Um es vorsichtig zu formulieren: Keiner dieser Spieler schlug auch nur ansatzweise ein, und folgerichtig erreichte man einen enttäuschenden 7. Platz, der gerade noch so zur Teilnahme am Intertoto Cup (besser bekannt als UI-Cup) berechtigte. Paradoxerweise erzielte ausgerechnet Manuel Fischer in der letzten Partie gegen Bielefeld das entscheidende Tor.
Warum das paradox ist? Ganz einfach: Manuel Fischer kann als Symbol für die fehlerhafte Einschätzung von Spielern genommen werden. Gemeinsam mit einem gewissen Bojan Krkic wurde er bei der U17-Europameisterschaft mit fünf Toren Torschützenkönig. Die Frage darf erlaubt sein, warum ein Krkic bei dem wahrscheinlich besten Verein der Welt (FC Barcelona) regelmäßig zum Einsatz kommt und ein Fischer jetzt zur TuS Koblenz ausgeliehen wird. Wie kann es sein, dass ein Schieber oder ein Marica vor so einem Riesentalent wie Fischer stehen? Erste Wolken brauten sich über dem Schwabenland zusammen und erstmals musste sich das Duo Veh/Heldt kritischen Fragen stellen...














