„Die Akzeptanz des Frauenfußballs ist im Vergleich zu früher wesentlich größer geworden, die Anforderungen und Anfragen an die Spielerinnen haben extrem zugenommen. Der Aufwand ist wesentlich größer als vor sieben oder acht Jahren.“ So eröffnete Frauen-Nationalspielerin Bianca Rech die Gesprächsrunde, nachdem der ehemalige Bundesligaprofi Michael Rummenigge mit seinem Vortrag „Der Erfolgsfaktor Mensch“ Erfahrungen und Impulse aus dem Team- und Spitzensport vermittelt hatte.
Die Bundesliga als Problemfall
Der Frauenfußball hat es in Deutschland traditionell nicht einfach. In diesem Punkt waren sich alle Beteiligten einig. Deshalb glaubt Dominik Kaesberg, Geschäftsführer der Agentur Fussballmarkt.com, dass die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land genau zur rechten Zeit kommt. Auch Marc Ullerich von der Deutschen Telekom sieht das so, auch wenn er der Meinung ist, dass die Frauenfußball-Bundesliga, gerade was die TV-Präsenz angeht, auch in Zukunft der Vorherrschaft der Männer weit hinterher hinken wird. „Außerhalb der Nationalmannschaft ist das schwierig.“ Sein Unternehmen wolle sich im Rahmen der Bundesliga auch nicht weiter beteiligen. „Das macht historisch keinen Sinn für uns, aber es gibt sicherlich Möglichkeiten, wo sich Unternehmen engagieren können.“
Bianca Rech gibt sich in dieser Hinsicht wenig optimistisch: „Die Zuschauerakzeptanz in der Bundesliga ist nach wie vor schlecht. Das ist sehr schade. Wir können nur hoffen, dass sich etwas tut.“ Zudem räumt sie ein: „Wir beim FC Bayern München spielen lieber auswärts als zuhause, denn dort feuern uns immer viele Fans der bundesweiten Fanclubs an.“
Auch der Zukunft der kleineren Vereine blickt Rech eher pessimistisch entgegen: „Kleine Vereine wie etwa Bad Neuenahr, Crailsheim oder Sindelfingen werden es in Zukunft schwer haben. Köln und Hertha – dahin wird der Trend gehen“, ist sich die 28-Jährige sicher. Michael Bofinger, Geschäftsführer der SportRegion Stuttgart e.V., sieht diese Entwicklung für die Provinzvereine zwar negativ, für die Liga selbst jedoch als durchaus förderlich an. Ein Problemkind wird die Frauenfußball-Bundesliga in Deutschland wohl dennoch bleiben.
Ob die Weltmeisterschaft 2011 daran doch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Dass sich Stuttgart nicht als Austragungsort beworben hat, hält Bofinger für keinen Nachteil. „Die Bewerbung von Sinsheim hat dabei sicherlich eine Rolle gespielt. Die WM wird dennoch auch in unsere Region ausstrahlen. Der Württembergische Fußballverband unternimmt zahlreiche Anstrengungen, junge Mädchen im Rahmen von Girlscamps an den Frauenfußball heranzuführen.“
Das Pokalfinale als wichtige Marke
Ein wichtige Rolle für die zukünftige Vermarktung des Frauenfußballs in Deutschland nimmt für die Diskussionsteilnehmer das DFB-Pokalfinale ein. Einig ist man sich, dass ein eigenständiges Pokalfinale dem Frauenfußball gut tue. „In Berlin war das Endspiel immer nur ein Anhängsel“, so Bofinger. „Allerdings war es richtig, am Anfang die Sogwirkung zu nutzen.“ Bofinger plädiert dafür, das Endspiel „immer am selben Ort“ auszutragen. Bianca Rech schlägt als Austragungsgebiet den Westen Deutschlands vor; Dominik Kaesberg hofft, dass das Stadion hinsichtlich der Größe mit Bedacht gewählt wird: „Man sollte ein Stadion nehmen wie Duisburg.“
Unzufrieden äußerte sich Marc Ullerich über den kürzlich ausgetragenen DFB-Hallenpokal in Magdeburg: „Wir hoffen, dass ein attraktiver neuer Standort gefunden wird. Wir waren mit Magdeburg nicht wirklich einverstanden und haben das dem DFB gegenüber auch deutlich gemacht. Auch die Spielerinnen fanden es dort nicht wirklich gut.“
Projekt „TeamGo11“
Zum Abschluss der Diskussion gab die agentur 5 bekannt, sich in Zukunft verstärkt für den Frauenfußball engagieren zu wollen. Aus diesem Grund habe man mit den Bayern-Spielerinnen Bianca Rech, Nicole Banecki und Sylvie Banecki Vermarktungsverträge abgeschlossen. „Unser Projekt TeamGo11 ist auf drei Jahre angelegt. Unser Ziel ist es, insgesamt sechs oder sieben deutsche Spielerinnen unter Vertrag zu nehmen. Wir wollen sie bei gezielten Aktionen wie Roadshows oder Frauenfußballcamps einsetzen“, erklärte Stefan Wiech, Strategy Director der Agentur aus Ostfildern. Rech solle dabei aufgrund ihrer Erfahrung eine Führungsrolle einnehmen. „Wir sehen das Potenzial des Frauenfußballs und haben Spaß daran, mit diesen Spielerinnen zusammen zu arbeiten“, so Stefan Wiech zum Abschluss.














