Ordentliche Hauptversammlung der Schiedsrichtergruppe Nürtingen

Peter Schwarz | 19. Feb. 2009 | 0 Kommentare
Die diesjährige Hauptversammlung der Schiedsrichtergruppe Nürtingen fand am 13. Februar im Gemeindehaus Omni in Frickenhausen statt. Dabei wurde SR-Obmann Klaus Bühler von seiner derzeit 183 Mitglieder fassenden Gruppe für die nächsten drei Jahre einstimmig wiedergewählt und geht mittlerweile in seine sechste Amtszeit. Im Bereich des Ausschusses hingegen gibt es einige Veränderungen.

Der neue Ausschuss

Mit Einteiler Bernd Schraitle, der 18 Jahre lang Ausschussmitglied war, Schriftführer Daniel Geywitz, Jungschiedsrichterobmann Holger Böhm (beide zehn Jahre im Gremium) sowie dem Ausländerbeauftragten Sezgin Coskun (acht Spielzeiten) gehen vier langjährige Mitglieder. Neu in den Ausschuss berufen wurden Steffen Müller (Kohlberg) als Jungschiedsrichterobmann, Peter Martsch (Jesingen) als Coaching-Koordinator, Christian Keim (Neckartailfingen), der in Zukunft für Schriftführung sowie das Internet verantwortlich ist, und Johannes Steck (Oberensingen), selbst der Top-Schiri der Gruppe und in der Oberliga im Einsatz, als Mentor für Jugend und Aktive. Die Spieleinteilungen bei den Aktiven übernimmt der bisherige Einteiler bei der Jugend Frieder Thiehoff (Holzmaden). Bühlers Stellvertreter bleibt weiterhin Harald Kuhn (Neckartailfingen).

Die Ehrungen

Nach der Begrüßung durch Obmann Klaus Bühler wurden zu allererst die Ehrungen vorgenommen: Für ihren jahrelangen Einsatz in schwarz wurden Ralf Schmidt und Giovanni Galeota mit der silbernen Ehrennadel, Markus Wagner und Ulrich Schmid mit der bronzenen ausgezeichnet. Peter Steigele, in den 60er- und 70er-Jahren 13 Jahre lang selbst an der Spitze der Nürtinger Schiedsrichtergruppe und danach sowohl Bundesliga-Schiri als auch FIFA-Assistent, wurde als erster Schiedsrichter der Gruppe zum Ehrenmitglied ernannt. Obmann Klaus Bühler erhielt die silberne Ehrennadel des Württembergischen Landessportbundes.

Lob und Kritikpunkte

Im Anschluss an die Ehrungen lag das Wort bei Karl Stradinger, Ehrenobmann der Schiedsrichtergruppe Göppingen und Mitglied einer Arbeitsgruppe zur DFB-Aktion „Faszination Schiedsrichter“. Zu diesem Thema referierte Stradinger ausführlich. Er sparte dabei auch nicht mit Lob in Richtung Bühler und Nürtinger Kollegen: „Vorbildlich, was hier geleistet wird. Das ist einmalig in Württemberg.“

Davon konnte man sich auch im 21 Seiten umfassenden schriftlichen Rechenschaftsbericht, der den Schiedsrichtern im Vorfeld zugegangen war, ein genaues Bild machen. Ein Beispiel: Von den rund 170 aktiven Schiris wurden in den vergangenen drei Jahren insgesamt 12.268 Aufträge geschultert, knapp 12.000 Spielleitungen bei den Aktiven und der Jugend plus Beobachtungen und Einsätze als Assistent an der Seitenlinie.

In einer Hauptversammlung soll der Fokus auch auf Probleme und Kritikpunkte gelegt werden – Aufgaben und Herausforderungen für die nächsten drei Jahre. Karl Stradinger nahm dabei kein Blatt vor den Mund: „Die Schiedsrichtergewinnung ist kein Problem, aber was hängen bleibt, ist deprimierend und ernüchternd.“ Übrigens bundesweit, wo die Schiedsrichterzahlen sogar rückläufig sind; im WFV mit seinen 41 Schiri-Gruppen zeigt die Kurve wenigstens leicht nach oben. Im WFV, immerhin an dritter Stelle innerhalb des DFB, pfeifen regelmäßig über 7000 Referees, angepeilt werden aber 7500, um auch alle Jugendspiele besetzen zu können. In Nürtingen gelang das im Berichtszeitraum zumindest bis hinab zu den D-Junioren. Stradinger vertritt ohnehin die Meinung, dass die Spiele der Nachwuchsteams gegenüber den Begegnungen der Reserven Priorität genießen sollten.

Wie von Stradinger angesprochen, ist die Neulingsgewinnung weniger das Problem, vielmehr jedoch, die Unparteiischen bei der Stange zu halten. Die Nürtinger Schiedsrichtergruppe beispielsweise hat in drei Lehrgängen 86 neue Referees ausgebildet – genauso viele sind auch wieder abgesprungen. Für Klaus Bühler steht diese Negativentwicklung in direktem Zusammenhang mit der zunehmenden Gewalt gegen die Schiedsrichter inklusive ständiger Beschimpfungen und Beleidigungen. Daher fordert er bei allen Beteiligten, seien es Funktionäre, Trainer, Betreuer, Spieler oder Eltern, ein Umdenken; auch seine Schiris nimmt Bühler dabei in die Pflicht und fordert eine größere Kritikfähigkeit.

Erfreulich ist allerdings das Engagement der Vereine im Gesamten. Denn während in anderen Gruppen wesentlich mehr Vereine keine Schiris stellen, sind es in der Nürtinger Gruppe derer lediglich drei. Elf Vereine haben nur einen Schiedsrichter gemeldet. Dafür haben zwölf Vereine das Soll an Unparteiischen mehr als erfüllt – allen voran der TSV Wendlingen mit elf und der 1. FC Frickenhausen mit zehn Referees. „Einige Vereine haben bei der Neulingsgewinnung leider zu wenig mitgezogen“, kritisiert Bühler, der dies darauf zurückführt, dass in jenen Vereinen meist ein Schiedsrichterbeauftragter fehlt, der dieses Amt auch gewissenhaft ausübt: „Dieses Thema wird oft nur stiefmütterlich behandelt.“

Neues vom Förderkader

Ein Hauptaugenmerk der Nürtinger Schiedsrichtergruppe liegt auch auf der Talentförderung. So ist es laut Bühler gelungen, die Struktur seiner Gruppe „im Leistungsbereich der oberen Klassen zu ändern und vor allem im Bereich der unter Beobachtung stehenden Schiedsrichter eine Blutauffrischung zu erreichen“. Aushängeschild ist nach wie vor Johannes Steck, der in der Oberliga zum Einsatz kommt. Aber auch darunter tut sich was: Andreas Lasar, Steffen Müller (beide TSV Kohlberg) und Jürgen Heim (TSV Neckartenzlingen) pfeifen in der Landesliga; den Schritt in die Bezirksliga haben Christian Lasar (1. FC Frickenhausen), Simon Knabel (TSV Owen) sowie Fabian Schindler (TV Unterboihingen) getätigt.

Der Altersdurchschnitt der Leistungsschiedsrichter liegt gerade mal bei knapp 22 Jahren. Dennoch ist man im Verband vom „Jugendwahn“ der letzten Jahre ein wenig abgerückt. „Man setzt wieder mehr auf Erfahrung. Wenn ein Alter wegbricht, braucht man fünf oder sechs Junge, um ihn zu kompensieren.“ Stradingers Meinung ist auch Bühler: „Speziell unsere älteren Kameraden, die selbst noch im Rentenalter eine Vielzahl von Spielen leiten, sind für uns äußerst wichtig und unersetzbar.“ Bühler ist jedenfalls überzeugt, dass seine Gruppe (Durchschnittsalter 36 Jahre) genau über die richtige Mischung verfügt.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Ansprache des Bezirksvorsitzenden Karl Wieland. Direkt im Anschluss wurde die Hauptversammlung des Fördervereins der Schiedsrichtergruppe Nürtingen abgehalten. Hier gab es keine nennenswerten Ereignisse; der Vorstand sowie der Kassenwart wurden einstimmig entlastet.

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