Effizienz statt brotlose Kunst
Gründe für den Höhenflug der Berliner gibt es viele. Sicherlich profitieren die Spreekicker von der schwächelnden Konkurrenz, die sich immer wieder unnötige Punktverluste leistet. Doch es wäre ungerecht, den Berliner Erfolg einzig diesem Umstand zuzuschreiben. Der eigentliche Grund für den sportlichen Erfolg ist der Trainer, Lucien Favre: Der Schweizer trat in der Saison 2007/08 das Erbe von Falko Götz an, der nie den hohen Ansprüchen im schon fast traditionell unruhigen Berliner Umfeld gerecht werden konnte. Doch anders als seine meisten Vorgänger versprach Favre den Medien und den Fans keine Deutsche Meisterschaft, sondern bat um zwei bis drei Spielzeiten Geduld, um sein „System Favre“ der Mannschaft zu vermitteln.
Das System Favre
Jetzt, bereits nach 1 1/2 Jahren, ist seine Handschrift deutlich zu erkennen. Favre setzt auf ein funktionierendes Kollektiv, auf Spieler, die laufstark und bescheiden sind, und auf ein defensives Spielsystem, welches stark an die „kontrollierte Offensive“ von Otto Rehhagel erinnert. Folglich wurde der Kader stark verändert: Weitestgehend unbekannte Spieler wie Nicu, Raffael, Kacar und Cicero erwiesen sich genauso allesamt als absolute Volltreffer wie die erfahrenen Voronin und Drobny, wohingegen der launische sowie eigensinnige Pantelic einen Stammplatz auf der Bank inne hält. Auch die taktische Ausrichtung ist eine andere als zuvor: Die Berliner operieren aus einer kompakten Defensive um den starken Simunic und den überragenden Drobny heraus, schalten bei Ballgewinn blitzschnell um, und vorne hat Andrey Voronin im Moment den berühmten Lauf.
Für die Schale reicht es zwar noch nicht, aber...
...ein Platz unter den ersten 3 sollte in dieser Saison möglich sein. Die Elf verfügt über eine kompakte Abwehr sowie einen gefährlichen Angriff, der nur wenige Chancen für ein Tor benötigt. Allerdings scheinen die Bayern wieder in Tritt zu kommen, und auch das Restprogramm – mit nur vier Heimspielen, aber sechs Auswärtspartien – spricht gegen eine Meisterschaft in diesem Jahr. Doch gelingt es Favre, die Mannschaft zusammen zu halten und eventuell sogar punktuell zu verstärken, könnte die „Alte Dame“ eine ständige Vertreterin im europäischen Konzert werden.
Wer weiß, ob dann aus dem unbeholfenen Tänzer Favre vielleicht der Tanzbär Favre wird?














