Pierre Williams entscheidet Relegationskrimi

Franz Messing | 16. Juni 2009 | 0 Kommentare
Der Landesliga-Vizemeister SV Göppingen kommt der Verbandsliga immer näher. In einem spannenden wie hochklassigen Match in der zweiten Runde der Relegation gegen TURA Untermünkheim dauerte es zwar bis zur 116. Minute, bis Verteidiger Pierre Williams mit einer tollen Einzelleistung die Entscheidung herbeiführte; doch nach diesem mehr als überzeugenden Auftritt geht die Mannschaft von Trainer Uli Haug fast schon als Favorit in das entscheidende Duell mit dem Verbandsligisten VfL Sindelfingen.

„Besser als wir in der ersten Halbzeit kann man in der Landesliga nicht spielen“, konstatierte Göppingens Trainer Uli Haug nach dem zweiten Relegationsspiel seiner Elf gegen TURA Untermünkheim. Ja, was beide Teams im Hermann-Traub-Stadion des VfB Reichenbach ablieferten, war für Landesliga-Verhältnisse schon aller erste Sahne. Also bezeichnete Haug die bis zur letzten Sekunde spannende sowie offene Partie zurecht als „sensationelles Spiel“. Dem pflichteten sicherlich die rund 800 ins Filstal gereisten Zuschauer bei, sahen sie doch einen wahren Relegationskrimi, der sich seinen Höhepunkt bis vier Minuten vor Ablauf der Verlängerung aufsparte. Zum Matchwinner der begeisternden Begegnung avancierte Linksverteidiger Pierre Williams, der in der 116. Minute auf Höhe der Mittellinie an den Ball kam, gleich mehrere Gegenspieler stehen ließ und nach einem Doppelpass mit Tilmann Siebert zum umjubelten 2:1-Endstand einschoss.

Blitzstart durch Budak

Wie schon in der ersten Relegationsrunde gegen Isingen legte der SV Göppingen einen Start nach Maß hin: Der wiedereinmal stark aufspielende Daniel Budak setzte sich auf der linken Außenbahn energisch durch und überraschte Untermünkheims Torhüter Markus Dambach mit einem Schuss ins kurze Eck. Bis dahin waren noch nicht einmal drei Minuten gespielt. Danach hatte TURA mehr vom Spiel, ohne jedoch zu zwingenden Torchancen zu kommen. Spielertrainer Fredi Skurka fungierte dabei als Ballverteiler und Schaltzentrale im Mittelfeld; die beiden Angreifer Jan Schreiner und Tamer Balcioglu hatten gegen die überzeugende Göppinger Verteidigung und vor allem gegen die Innenverteidiger Sascha Martin und Tomislav Ivezic allerdings einen schweren Stand. Die Göppinger versuchten über ein engmaschiges 4-5-1-System und schnellem Spiel in die Spitze nach Balleroberung nachzulegen. Chancen dazu ergaben sich: Erst scheiterten bei Kontern sowohl Tilmann Siebert als auch Gaetano Caruana; danach traf der aufgerückte Sascha Martin nach einer Ecke mit seinem Kopfball nur die Latte, bevor Philipp Schuler kurz darauf freistehend über das Gehäuse schoss. In dieser Phase verpassten es die rot-schwarzen Haug-Schützlinge, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. TURA konnte sich bei Torhüter Dambach bedanken, bei Halbzeit nicht schon höher im Hintertreffen zu sein. Wie von Uli Haug treffend analysiert legte der SVG in Hälfte eins eine fast astreine Leistung hin – nur die Chancenauswertung ließ zu wünschen übrig. Da TURA jederzeit versuchte, das Heft in die Hand zu nehmen, kamen die zahlreichen Zuschauer in Reichenbach voll auf ihre Kosten. Tempo, Kampf und spielerische Klasse – dieses Relegationsspiel bot einiges davon. Schließlich pfiff Schiedsrichter Reichel aus Böblingen pünktlich zur Halbzeitpause.

Kläßing verwandelt Strafstoß zum 1:1

Auch die zweite Spielhälfte begann mit einem Paukenschlag: TURA kam mit enormem Schwung aus der Kabine und dementsprechend schnell zum Ausgleich, als Jan Schreiner mit viel Zug zum Tor in den Göppinger Strafraum eindrang und von Ivezic nur durch ein Foul gestoppt werden konnte; den fälligen Elfmeter verwandelte Markus Kläßing sicher zum 1:1. Im Anschluss zeigte Untermünkheim seine beste Viertelstunde der Partie. Schnelle und direkte Kombinationen sorgten für die eine oder andere Aktion in Göppinger Torraumnähe, ein Treffer wollte aber nicht gelingen. So verflachte die Begegnung, das hohe Anfangstempo forderte seinen Tribut. Zwar entstanden auf beiden Seiten mit zunehmender Spieldauer Räume, der letzte Pass geriet jedoch meist zu ungenau. Umso näher das Ende der regulären Spielzeit rückte, desto greifbarer war die Spannung im Hermann-Traub-Stadion. In der 87. Minuten scheiterte Caruana mit einem Freistoß von der Strafraumgrenze an der Querlatte. Es blieb beim 1:1, und so ging es – sicherlich zur Freude einiger Zuschauer ob des abwechslungsreichen Spielgeschehens – in die Verlängerung.

Zweimal Aluminium, dann Williams

Hier änderte sich wenig. Beide Mannschaften agierten eher abwartend, keine wollte den spielentscheidenden Fehler begehen. In der 96. Minute fiel dann beinahe die TURA-Führung, als Andreas Volz einen schönen Heber über Göppingens Schlussmann Manuel Doll hinweg auf die Latte setzte. Auf der anderen Seite ging es in der 110. Spielminute ebenso knapp zu: Gaetano Caruana traf mit seinem Schuss den Innenpfosten. Als sich viele der mitfiebernden Zuschauer bereits auf ein Elfmeterschießen eingestellt hatten, schlug schließlich die Stunde von Pierre Williams. Der Rest war rot-schwarzer Jubel und Vorfreude auf das letzte Relegationsspiel um den Aufstieg in die Verbandsliga gegen den VfL Sindelfingen.

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