SV Göppingen beendet 18-jährige Durststrecke

Franz Messing | 23. Juni 2009 | 6 Kommentare
Der SV Göppingen schafft die Sensation und steigt nach 18 Jahren wieder in die Verbandsliga Württemberg auf. Im entscheidenden Relegationsspiel bezwang das Team von Trainer Uli Haug den jetzt als Absteiger in die Landesliga feststehenden VfL Sindelfingen bei den SF Gechingen mit 4:1. Bereits zur Halbzeit führte der Göppinger Sportverein durch einen Doppelpack seines Stürmers Daniel Budak mit 2:0. Am Ende jubelten nicht nur die Göppinger, sondern auch drei andere Relegationsteilnehmer.

Der Trainer des SV Göppingen, Uli Haug, sprach nach dem Spiel von einem „Sieg des Teamgeists“ und brachte seinen Stolz zum Ausdruck, „solch eine Truppe trainieren zu dürfen“. In der Tat, die Göppinger Elf präsentierte sich wie schon in der kompletten abgelaufenen Saison, als man in der Landesliga Staffel 2 nur der Ausnahmemannschaft vom TV Echterdingen den Vortritt lassen musste, sehr stark, kompakt und aggressiv. Das musste auch der unterlegene Sindelfinger Coach Thomas Dietsche anerkennen, der den Erfolg der Göppinger als „hochverdient“ bezeichnete und sich gleichzeitig von seiner Elf enttäuscht zeigte: „Unseren Angriffsversuchen fehlte einfach die letzte Konsequenz.“

Daniel Budak mit Doppelpack

Einen Auftakt nach Maß hingegen erwischte der Landesliga-Vizemeister aus Göppingen – wie schon im Krimi gegen Untermünkheim (2:1 n.V.) –, als man bereits in der 8. Minute in Führung ging: Stürmer Daniel Budak zog aus rund 40 Metern einfach mal ab, und der Ball senkte sich über den zu weit vor seinem Kasten stehenden Sindelfinger Torhüter David Kocyba ins Tor. In der Folgzeit entwickelte sich eine recht ausgeglichene Begegnung ohne nennenswerte Torraumszenen. Während Sindelfingen immer wieder über die Außenbahnen durchzubrechen versuchte, setzte der SV Göppingen seine sattelfeste Abwehr um die beiden Innenverteidiger Tomislav Ivezic und Sascha Martin dagegen, um aus dieser sicheren Hintermannschaft heraus durch Konter über seine schnellen Spitzen zum Erfolg zu kommen. Diese Taktik erwies sich als der Schlüssel zur Vorentscheidung, denn fünf Minuten vor dem Seitenwechsel startete Sascha Martin einen Konterangriff, der über Tilmann Siebert schließlich von Budak zu seinem zweiten Treffer abgeschlossen wurde. Die beste Gelegenheit zum Anschluss bot sich drei Minuten nach dem 2:0 Daniel Kniesel, als die Abseitsfalle der Göppinger misslang; doch er scheiterte an SV-Schlussmann Manuel Doll, der den Winkel geschickt verkürzte. Kurze Zeit später bat der souverän leitende Unparteiische Florian Steinberg aus Leonberg vor über 1200 Zuschauern auf dem Gechinger Sportgelände zur Halbzeit.

Toni de Lucia nimmt Maß

Nach der Pause suchte der VfL Sindelfingen noch etwas mehr die Offensive; den letzten Biss, die wirkliche Durchschlagskraft und den unbedingten Willen, das Spiel noch zu drehen, ließ die Dietsche-Elf aber vermissen. Den Göppingern boten sich nun weiter Räume zum Kontern, doch das letzte Zuspiel in die Spitze war vorerst zu ungenau. So kam noch einmal Spannung auf, als Sindelfingens Stürmer Samet Öztürk nach einer Flanke Caglar Özays mit dem Kopf zum Anschluss traf – und plötzlich stand die Partie auf Messers Schneide. Wer weiß, wie die Begegnung geendet hätte, wenn die Ereignisse der 71. und 72. Minute anders verlaufen wären: Denn erst fand der vermeintliche Ausgleich durch den eingewechselten Alexander Olmo wegen Abseitsstellung keine Anerkennung, dann zirkelte praktisch im Gegenzug der eben erst hereingekommene Toni de Lucia einen Freistoß von der Strafraumgrenze unhaltbar für VfL-Keeper Kocyba ins obere Tordreieck.

Damit war das Spiel entschieden. Tilmann Siebert erhöhte zwei Minuten vor Schluss sogar noch auf 4:1 für den SV Göppingen, der damit seine bereits 18 Jahre andauernde Abstinenz mit dem Aufstieg in die Verbandsliga beendet hat. Der VfL Sindelfingen hingegen wurde für seine Aufholjagd in der Rückrunde der abgelaufenen Saison nicht mehr mit dem Klassenerhalt belohnt. Der überaus schwache Saisonstart, der schwächste des VfL seit zwanzig Jahren übrigens, mit nur einem Sieg und zwei Unentschieden aus den ersten elf Begegnungen, wog schließlich doch zu schwer, auch wenn man sich noch auf den Relegationsplatz gerettet hatte. Der SV Göppingen war letztlich zu stark und hat sich den Aufstieg redlich verdient.

Ebersbach, Neckartailfingen und Beuren profitieren

Mit dem SV Göppingen freuten sich allerdings nicht nur die Göppinger Anhänger, sondern auch drei der Relegationsverlierer, genauer der SV Ebersbach, der TSV Neckartailfingen sowie der TSV Beuren. Denn durch den Göppinger Aufstieg in die Verbandsliga Württemberg wurde ein Platz in der Landesliga Staffel 2 frei; und über den darf sich der Bezirksliga-Vize SV Ebersbach trotz der 0:2-Niederlage gegen die TSVgg Plattenhardt freuen. Der Aufstieg des SVE aus der Bezirksliga Neckar-Fils hat wiederum zur Folge, dass der TSV Neckartailfingen trotz der 0:3-Pleite gegen Aufsteiger Unterboihingen im Bezirksoberhaus verbleiben darf. Da der TV Unterboihingen aus der Kreisliga A2 kommt, wurde auch dort ein Platz frei; so durfte der in der Relegation dem TB Neckarhausen unglücklich mit 1:2 unterlegene TSV Beuren mit Verspätung doch noch den lang ersehnten Aufstieg feiern.

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