Über den Kesselrand – Teil 1

Siegi Assfalg | 23. Sept. 2009 | 0 Kommentare
Es lohnt sich immer wieder, über den Stuttgarter Kesselrand hinaus zu blicken. Denn abseits der schwäbischen Hochburg und seiner Vorhöfe ereignen sich auf den Fußballplätzen der Welt die ganz und gar skurrilsten Dinge. Heute: In Russland verwandelt ein Flitzer souverän einen Elfmeter, in Chile geht ein Stürmer erst im Spiel K.O. und hat dann auf dem Weg ins Krankenhaus einen Autounfall, und in Buenos Aires erkennt ein Friseur einen Dieb beim Torjubel im TV – den Stürmer der Boca Juniors.

Tatort 1: Moskau, Russland

Derby-Time in Moskau. Mit den ortsansässigen Clubs FC Saturn Ramenskoje und Spartak Moskau treffen zwei Rivalen aufeinander. Es steht 1:0 für Saturn, als der Unparteiische nach einem Foul im Sechzehnmeterraum auf den ominösen Punkt zeigt: Elfmeter für Spartak! Der brasilianische Legionär Alex schnappt sich den Ball, Saturn-Torhüter Antonin Kinsky konzentriert sich und macht Faxen, um den Schützen zu verunsichern. Doch der Schütze bleibt eiskalt. Es ist allerdings nicht Alex, sondern ein auf das Spielfeld gestürmter sogenannter Flitzer – leider nicht nackt, sondern in Jeans und quergestreiftem Pullover. Rechts unten, Kinsky ohne Chance. Im Anschluss an eine obligatorische Ehrenrunde sowie den Abtransport durch kurze Zeit später auftauchende Platzordner verwandelt auch Alex souverän. FC Saturn gewinnt am Ende dennoch mit 2:1. Mann des Abends war aber in jedem Fall der Elfmeterschütze mit dem gestreiften Pulli. Zum YouTube-Video...

Tatort 2: Santiago, Chile

Doppelt umgehauen wurde Stürmer Juan Manuel Olivera vom chilenischen Erstligisten Universidad de Chile. Erst ging der Uruguayer im Spiel gegen O’Higgins bei einem Zusammenstoß mit dem gegnerischen Torwart Jorge Rivera bewusstlos zu Boden, dann hatte der Krankenwagen, der ihn vom Stadion in ein Hospital nach Santiago transportieren sollte, einen Unfall. Olivera nahm’s mit Humor, auch wenn er nach dem Verkehrsunfall rund zwei Stunden warten musste, bis ein neuer Krankenwagen eintraf. Letztlich ging die Sache aber glimpflich aus. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt. Gut, Olivera war’s ja schon. Seine Auszeit mit einer Woche Sportverbot hält sich aber auch in Grenzen. Das Ligaspiel endete im Übrigen 1:1 unentschieden, Oliveras persönliche Bilanz an diesem Tage im Grunde 0:2.

Tatort 3: Buenos Aires, Argentinien

„Ich habe mir das Gesicht angeschaut und gesagt: Das ist er!“ Diese Worte stammen von Friseur-Salon-Besitzer Alfredo Eduardo Benitez aus Buenos Aires, der am Fernsehschirm beim Gucken eines Meisterschaftsspiels seiner Boca Juniors seinen Augen kaum traute. Er meint nämlich, dort einen Mann erkannt zu haben, der ihn gut ein Jahr zuvor, im März 2008, bei einem Überfall auf seinen Friseurladen im Vorort Castelar um 1100 Euro, um zwei Scheren und Haarspray erleichtert haben soll. Dabei handelt es sich um niemand Geringeren als um Boca-Juniors-Talent Lucas Viatri. Der 22-jährige Stürmer, der im Mai 2008 sein Debüt beim argentinischen Traditionsclub gab, soll mit einer Waffe in der Hand in den Salon gestürmt sein und diese auf den 63-jährigen Besitzer Benitez gerichtet haben. „Viatri hat die Waffe auf mich gerichtet. Ich habe ihn wiedererkannt, als er kurz darauf ein Tor gegen Veléz geschossen hat“, wird der Friseur zitiert. Pikant, dass Viatri kurz nach dem Überfall mit seinem jüngeren Bruder Raúl und einem Freund vorübergehend festgenommen wurde, weil sein Fahrzeug am Tatort gesichtet worden war. Viatri beteuert natürlich seine Unschuld. Zumindest behauptet er nicht, es sei sein Zwillingsbruder gewesen. Kam ja alles schon mal vor.

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