VfB versucht Zeichen zu setzen: Lehmann erhält Denkzettel

Franz Messing | 23. Sept. 2009 | 0 Kommentare
Der VfB Stuttgart versucht seiner sportlichen Misere, mit nur fünf Punkten aus sechs Bundesliga-Spielen und Platz 14 sowie der gefühlten Niederlage zum Champions-League-Auftakt beim 1:1 gegen die Glasgow Rangers, Herr zu werden. Nach der bitteren Heimpleite gegen den bis dahin Letzten der Tabelle, den 1. FC Köln, strich der VfB seinen Leitwolf Jens Lehmann für das unter der Woche anstehende Pokalspiel aus dem Kader.

Die Suspendierung Lehmanns für das Pokalspiel beim Viertligisten Lübeck aufgrund eines mit dem Verein nicht abgesprochenen Oktoberfest-Besuchs am Abend nach der indiskutablen Heimpleite gegen Köln hätte in einer Zeit des Erfolgs so wohl nicht stattgefunden. Vor allem nicht bei Jens Lehmann. Zumal es sich obendrein nicht um sein Privatvergnügen, sondern um eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten afrikanischer Kinder gehandelt hat. Aber die sportliche Leitung um Teamchef Markus Babbel und Manager Horst Heldt sieht sich in der Not, Härte zu demonstrieren. Oft hat man zu Beginn der noch jungen Saison von einem „Mentalitätsproblem“, von einer „Selbstzufriedenheit“ und auch, was erstaunlich ist, von einer „mangelnden Einstellung“ gesprochen. Heldt wurde zitiert, „die Spieler sollen sich weniger im Autohaus rumtreiben und sich stattdessen auf ihren Job konzentrieren“. Außerdem wurde in den Raum gestellt, angesichts der bevorstehenden WM würden einige mehr auf sich selbst achten als auf den Erfolg des Teams.

Klar war, dass der VfB reagieren muss. Und Lehmann scheint den reuigen Sünder zu mimen: „Der Besuch auf der Wiesn fand im Rahmen einer Charity-Veranstaltung statt und war schon länger geplant. Das war allerdings nicht mit dem Verein abgesprochen. Ich akzeptiere natürlich die Maßnahme der sportlichen Leitung.“ Lehmann ist lange Profi genug, um zu wissen, dass er sich in dieser Sache auf die Seite Heldts und vor allem Babbels stellen muss. Denn die Kritik an Trainer Markus Babbel ist im Anhänger-Umfeld bereits ein Thema (Abwesenheit wegen Trainer-Lehrgang, Rotation), und die Erinnerung an die vergangene Saison und die letzten Wochen von Vehs Amtszeit sind auf dem Wasen bereits wieder präsent.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend, lenkt Lehmanns Suspendierung den Fokus der Medien wieder auf die Mannschaft, nachdem die Kritik der letzten Wochen vor allem Babbel und Manager Heldt galt. Heldt weist in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten eben jene Kritik zurück, die sich um die Rotation sowie den Trainerlehrgang Babbels einerseits, andererseits um die für viele nicht zufriedenstellende Transferpolitik dreht.

Jedenfalls sind die Fans gespannt, wie die Mannschaft auf das Zeichen des Vereins reagiert. Mit dem erhofften Erfolgserlebnis oder mit der totalen Verkrampfung.

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