Das kleine Einmaleins der Rotation

Jona Ghebremariam | 24. Sept. 2009 | 0 Kommentare
Seit Beginn der Saison dreht sich beim VfB Stuttgart alles um den Begriff: Die Rotation. Im fußballerischen Kontext bedeutet die Rotation den Wechsel der Aufstellung von Spiel zu Spiel mit dem Ziel, dadurch allen Spielern Spielpraxis zu geben und wichtige Spieler schonen zu können. Verinnerlicht hat Markus Babbel diese Philosophie in seiner Münchner Zeit als Spieler unter (G)Ottmar Hitzfeld, der die Rotation Ende der 90er in Deutschland einführte und die Bayern dadurch zu diversen Meisterschaften und sogar zu einem Champions-League-Triumph führte. Warum die Rotation beim VfB Stuttgart bisher gänzlich ohne Erfolg geblieben ist und daher von Babbel wieder abgeschafft wurde, liegt daran, dass das kleine Einmaleins der Rotation nicht beachtet wurde.

1. Rotiere nur, wenn du wirklich über 20 sehr gute Spieler verfügst!

Im Gegensatz zu der damaligen Bayern-Mannschaft verfügt der VfB nicht über eine große Anzahl von sehr guten Spielern, sondern eher über eine große Anzahl von Mitläufern. Es ist ein Unterschied, ob ein Scholl, Basler oder Sergio rotiert wurden, oder ob die Rotation mit Simak, Elson und Co. praktiziert wird.

2. Rotiere nur, wenn du über eine feste (eingespielte) Achse innerhalb der Mannschaft verfügst!

Damit die taktische Ordnung auf dem Platz nicht gefährdet wird, braucht jede Mannschaft eine feste Achse auf dem Spielfeld. Bei den Bayern bestand diese damals aus Spielern wie Kahn, Matthäus, Effenberg und Elber. Diese Spieler waren für Hitzfeld unantastbar und spielten immer. Dadurch gewannen auch die restlichen Spieler, die rein- und rausrotiert wurden, an Sicherheit und konnten leichter ihre Leistung abrufen. Genau diese Achse ist bei Stuttgart nicht zu sehen: Einzig Lehmann und Tasci können als Konstante in diesem Gebilde bezeichnet werden. Die Neuzugänge Hleb und Pogrebnyak leiden besonders darunter und können auch deshalb ihre normale Leistung (noch) nicht abrufen. Sogar der Kapitän Hitzlsperger wurde komplett aus dem Kader genommen, was für sein Standing innerhalb der Mannschaft mit Sicherheit nicht förderlich gewesen ist.

3. Rotiere nur, wenn deine Mannschaft in guter Verfassung ist!

Diese Regel ist sehr einfach einzuhalten: Ist die Mannschaft in guter Form und hat sie den berühmten Lauf, dann ist das Rotieren erlaubt. Doch leidet die Mannschaft an mangelndem Selbstvertrauen, so sollte man als Trainer Abstand von der Rotation nehmen.

Auch da diese drei Grundregeln der Rotation beim VfB Stuttgart nicht eingehalten wurden, steht der VfB nun da, wo er eigentlich nichts verloren hat. Doch Markus Babbel hat bereits angekündigt, die Rotation ersteinmal ad acta zu legen.

MIT SCHMACKES fragt sich allerdings: Warum eigentlich? Die Rotation hat doch genau ihren Sinn erfüllt: Der VfB hat sich die letzten Wochen im Kreis gedreht; oder sollten wir besser sagen „rotiert“? 

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