Der im Vergleich zur bitteren Heimpleite gegen Köln auf drei Positionen veränderte VfB – Ulreich für den suspendierten Lehmann, Hitzlsperger für Khedira und Rudy für Gebhart – brauchte lange, um sich von diesem erneuten Nackenschlag zu erholen. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie schwer man sich tut, einen tief und massiv stehenden Gegner, und sei es auch ein Viertligist, in Bedrängnis zu bringen. Mit einfallslosen hohen Bällen jedenfalls nicht. Lediglich der bei einem Hitzlsperger-Freistoß aufgerückte Matthieu Delpierre kam in die Nähe des Ausgleichstreffers, doch sein Kopfball wurde von Lübeck-Schlussmann Nourreddine Semghoun zur Ecke geklärt. Hätte Torschütze Henning kurz vor der Halbzeitpause die Nerven behalten und den Ball, wieder frei vor Ulreich, zum 2:0 versenkt, wer weiß, ob die Babbel-Elf nochmals zurück gekommen wäre.
Gut für Babbel: Schieber und Khedira bringen Wende
Auch die zweite Spielhälfte begann mit einer Chance für die Gastgeber, doch Jakob Sachs traf nach einer weiten Flanke den Ball nicht richtig, und wenige Minuten später scheiterte er an Ulreich. Auf der anderen Seite brachte Neuzugang Zdravko Kuzmanovic das Leder nach einem Eckstoß aus kurzer Distanz nicht an Semghoun vorbei. Für ihn kam kurz danach Sami Khedira in die Partie und führte sich sogleich mit einem Schuss ans Außennetz ein. Danach folgte Leerlauf, bis der ebenfalls eingewechselte Julian Schieber mit einem Flachschuss aus 18 Metern den eminent wichtigen Ausgleich erzielte. In der 89. Minute wäre Schieber beinahe zum Matchwinner avanciert, nach einem Zuspiel von Roberto Hilbert vergab er aber ebenso wie kurz zuvor Pavel Pogrebnyak. Der Russe ist halt einfach kein Knipser.
Also musste die Verlängerung her. Zu deren Beginn waren es wieder Pogrebnyak und Schieber, die die VfB-Führung hätten erzielen können; beide scheiterten jedoch an Nourreddine Semghoun. Schließlich war es Sami Khedira vorbehalten, in der 109. Minute eine Hilbert-Hereingabe mit der Fußspitze über die Linie zu drücken. Gut für Babbel, denn sowohl mit Schieber als auch mit Khedira hatte er ein glückliches Händchen bewiesen, nachdem ihm die Fans in den letzten Wochen schon den einen oder anderen Fehler angekreidet hatten. So aber erhöhte Cacau vier Minuten vor dem Schlusspfiff nach Boka-Zuspiel noch auf 3:1.
So war Markus Babbel im Anschluss sichtlich erleichtert: „Die Partie war ein Spiegelbild unserer bisherigen Saison. Hinten machen wir einfache Fehler, und vorne machen wir unsere Chancen nicht rein. Aber meine Mannschaft hat Charakter gezeigt und das Spiel noch gedreht.“
Auch Torschütze Sami Khedira weiß um den Stellenwert des Siegs: „Weiterzukommen war ganz wichtig für uns. Der Trainer hat die richtige Halbzeitansprache gefunden, und wir haben es dann auch besser gemacht als in der ersten Hälfte.“
Weiter steigern muss sich der VfB allerdings schon wieder am Samstag, wenn es nach Frankfurt zur Eintracht geht. Denn wenn man sich alsbald nicht aus den unteren Tabellenregionen lösen kann, zieht sich die Krise, ganz VfB-typisch, bis weit in den Herbst hinein. Die wichtigen Champions-League-Partien stehen ja auch bald schon auf dem Programm. Vielleicht sind einfach noch ein paar mehr Drecksiege von Nöten.














