Das war aber mal knapp, mein lieber VfB: „Diesen Drecksieg haben wir gebraucht!“

Franz Messing | 24. Sept. 2009 | 0 Kommentare
Nach dem Schlusspfiff war Aufatmen angesagt. Beinahe hätte sich die Krise des VfB Stuttgart noch um einiges verschärft. Ganz knapp ist das Team von Markus Babbel beim Viertligisten VfB Lübeck an einer handfesten Blamage vorbei geschrammt. Wie erwartet tat sich der Tabellenfünfzehnte der Bundesliga verdammt schwer. Zu kämpfen hatte man neben dem mutigen Gegner vor allem einmal wieder mit sich selbst.
Kein Wunder, dass Roberto Hilbert unmittelbar nach Ende der Verlängerung, die gerade die Entscheidung zugunsten des VfB gebracht hatte, den hart erkämpften Sieg beschwor: „Diesen Drecksieg haben wir gebraucht!“ Richtig, alles andere wäre jedoch auch der Super-GAU gewesen. Aber daran wollen wir gar nicht mehr denken. Trotzdem sieht ein Befreiungsschlag mit Sicherheit anders aus. Wie anfällig die Schwaben derzeit sind, zeigte sich gleich zu Beginn der Pokalbegegnung, als der Lübecker Angreifer Bastian Henning bereits nach fünf Spielminuten frei vor dem im VfB-Tor stehenden Sven Ulreich auftauchte, nachdem Arthur Boka, wieder einmal, die Abseitsfalle torpediert hatte. Henning ließ sich nicht zweimal bitten und versenkte den Ball ansatzlos mit dem linken Außenrist im langen Eck.

Der im Vergleich zur bitteren Heimpleite gegen Köln auf drei Positionen veränderte VfB – Ulreich für den suspendierten Lehmann, Hitzlsperger für Khedira und Rudy für Gebhart – brauchte lange, um sich von diesem erneuten Nackenschlag zu erholen. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie schwer man sich tut, einen tief und massiv stehenden Gegner, und sei es auch ein Viertligist, in Bedrängnis zu bringen. Mit einfallslosen hohen Bällen jedenfalls nicht. Lediglich der bei einem Hitzlsperger-Freistoß aufgerückte Matthieu Delpierre kam in die Nähe des Ausgleichstreffers, doch sein Kopfball wurde von Lübeck-Schlussmann Nourreddine Semghoun zur Ecke geklärt. Hätte Torschütze Henning kurz vor der Halbzeitpause die Nerven behalten und den Ball, wieder frei vor Ulreich, zum 2:0 versenkt, wer weiß, ob die Babbel-Elf nochmals zurück gekommen wäre.

Gut für Babbel: Schieber und Khedira bringen Wende

Auch die zweite Spielhälfte begann mit einer Chance für die Gastgeber, doch Jakob Sachs traf nach einer weiten Flanke den Ball nicht richtig, und wenige Minuten später scheiterte er an Ulreich. Auf der anderen Seite brachte Neuzugang Zdravko Kuzmanovic das Leder nach einem Eckstoß aus kurzer Distanz nicht an Semghoun vorbei. Für ihn kam kurz danach Sami Khedira in die Partie und führte sich sogleich mit einem Schuss ans Außennetz ein. Danach folgte Leerlauf, bis der ebenfalls eingewechselte Julian Schieber mit einem Flachschuss aus 18 Metern den eminent wichtigen Ausgleich erzielte. In der 89. Minute wäre Schieber beinahe zum Matchwinner avanciert, nach einem Zuspiel von Roberto Hilbert vergab er aber ebenso wie kurz zuvor Pavel Pogrebnyak. Der Russe ist halt einfach kein Knipser.

Also musste die Verlängerung her. Zu deren Beginn waren es wieder Pogrebnyak und Schieber, die die VfB-Führung hätten erzielen können; beide scheiterten jedoch an Nourreddine Semghoun. Schließlich war es Sami Khedira vorbehalten, in der 109. Minute eine Hilbert-Hereingabe mit der Fußspitze über die Linie zu drücken. Gut für Babbel, denn sowohl mit Schieber als auch mit Khedira hatte er ein glückliches Händchen bewiesen, nachdem ihm die Fans in den letzten Wochen schon den einen oder anderen Fehler angekreidet hatten. So aber erhöhte Cacau vier Minuten vor dem Schlusspfiff nach Boka-Zuspiel noch auf 3:1.

So war Markus Babbel im Anschluss sichtlich erleichtert: „Die Partie war ein Spiegelbild unserer bisherigen Saison. Hinten machen wir einfache Fehler, und vorne machen wir unsere Chancen nicht rein. Aber meine Mannschaft hat Charakter gezeigt und das Spiel noch gedreht.“

Auch Torschütze Sami Khedira weiß um den Stellenwert des Siegs: „Weiterzukommen war ganz wichtig für uns. Der Trainer hat die richtige Halbzeitansprache gefunden, und wir haben es dann auch besser gemacht als in der ersten Hälfte.“

Weiter steigern muss sich der VfB allerdings schon wieder am Samstag, wenn es nach Frankfurt zur Eintracht geht. Denn wenn man sich alsbald nicht aus den unteren Tabellenregionen lösen kann, zieht sich die Krise, ganz VfB-typisch, bis weit in den Herbst hinein. Die wichtigen Champions-League-Partien stehen ja auch bald schon auf dem Programm. Vielleicht sind einfach noch ein paar mehr Drecksiege von Nöten.

Wenn Sie irgendetwas in dieses Feld eintragen, wird der Kommentar als Spam betrachtet

Wir wollen Dich als Neuzugang
Sei Teil einer Mannschaft, die etwas von Fußball versteht sowie darüber schreibt – einer Mannschaft ohne Grenzen. Denn unsere Farben kann jeder tragen. Gerade Du könntest uns entscheidend verstärken. Kurz angemeldet, kannst Du Dich überall und jederzeit einloggen, um Deiner Meinung zu verschiedenen Themen des Fußballs Ausdruck zu verleihen, ob in Worten oder Form von Bildern.
Meister 2008 ist der FC Barcode
Die prestigeträchtige Trophäe der Stuttgarter Stadtliga ist ein weiteres Jahr im Besitz des FC Barcode, der im Finale gegen die Pumas mit 6:0 triumphierte. MIT SCHMACKES gratuliert und freut sich, weiterhin als exklusiver Berichterstatter dabei zu sein und die Spiele, Ereignisse sowie Hintergründe beleuchten zu können und der Öffentlichkeit zu präsentieren. mehr...
Vom Blog zum Magazin
Dass der Fußball ein unerhörtes Medienspektakel darstellt, ist klar. Unklar war dem Fan bisher nur, wie er auf die Seite der Medienmacht gelangen kann. Sowohl als Blog als auch in gedruckter Form bieten wir ein Magazin, das offen ist für die Beiträge aller Fußballfans. Denn der Fußball findet in erster Linie dort statt, wo ihn die Leute gemeinsam erleben: im Austausch der Fans.
We are Fans for Football
Für die WM 2006 riefen wir unter dem Titel „wm0711" ein Projekt von Fans für Fans ins Leben, das über die Spiele und Ereignisse rund um das Turnier in Stuttgart authentisch und ungefiltert berichtete. So war das Sommermärchen quasi unser persönlicher Anpfiff. Die Initiative erhielt neben großer internationaler Aufmerksamkeit eine Auszeichnung der Friedrich-Ebert-Stiftung. mehr...