Das System Favre ist gescheitert

Jona Ghebremariam | 2. Okt. 2009 | 0 Kommentare
Wir schreiben den 14.3.2009: Nach 24 Spieltagen führt die alte Dame aus Berlin die Bundesligatabelle mit einem satten Vorsprung von vier Punkten an. Einen Monat später verspricht der Stabilisator der Abwehr Josip „Joe“ Simunic den Anhängern per Megafon die wohl begehrteste Salatschüssel Deutschlands. Dieses Versprechen kann er zwar nicht einhalten, dennoch belegt der Hauptstadtklub einen guten vierten Tabellenplatz in der Endabrechnung. Und dies vor allem dem „System Favre“ sei Dank (wir berichteten). Optimisten träumten gar von einer neuen Zeitrechnung in Berlin, von ruhigeren Zeiten und mehr Kontinuität, doch wie so oft kam es erstens anders und zweitens als man denkt…

Mangelhafte Transferpolitik als Hauptursache

Genau 198 Tage nach dem Höhepunkt des Systems Favre liegt die „alte Dame“ auf der Intensivstation. Nach dem desaströsen 1:5 in Hoffenheim und dem damit verbundenen letzten Platz in der Tabelle wurde die Reißleine gezogen und Lucien Favre am 28. September von seinen Aufgaben entbunden, wie es im Fußballjargon so euphemistisch ausgedrückt wird. Aber was war in diesem halben Jahr geschehen? Als Hauptgrund darf die katastrophale Transferpolitik in der Sommerpause angesehen werden. An vorderster Linie schmerzt der Abgang des besten Verteidigers und Stabilisators der gesamten Abwehr, Joe Simunic, der auch aufgrund von finanziellen Zwängen in Richtung Hoffenheim abgegeben wurde. Aber auch die Abgänge der beiden einzigen Stürmer von internationalem Format – Andrey Voronin und Marko Pantelic – schmerzen genauso sehr, da vor allem im Fall Voronin der Spieler seine Bereitschaft erklärt hatte, gerne für die Berliner weiterzuspielen. Doch wirtschaftliche Zwänge ließen die Weiterverpflichtung nicht zu. Indes glaubte man mit der billigeren – und de facto auch schlechteren – Option Wichniarek, der bereits von 2003 bis 2005 ein glückloses Gastspiel an der Spree bestritt, diese große Lücke schließen zu können. Wie sich jetzt zeigt ein verheerender Fehler der sportlichen Führung um Manager Preetz und Trainer Favre.

Führungsspieler Drobny und Kacar verletzt

Darüber hinaus verletzten sich Führungsspieler wie Drobny und Kacar, was der restlichen bis auf Friedrich weitestgehend unerfahrenen Mannschaft sicherlich keine zusätzliche Stabilität und Sicherheit verlieh. Auch die Last-Minute-Transfers von Kringe, Cesar und Ramos zahlten sich aus verschiedenen Gründen bisher noch nicht aus. Summa summarum steht nur ein Sieg aus sieben Spielen, die schlechteste Abwehr und der drittschwächste Sturm auf der Habenseite. Der neue Trainer steht vor einer undankbaren wie schwierigen Aufgabe. Die alte Dame ist angezählt und liegt am Boden. An der Spree ist es fünf vor zwölf. Doch jede Krise bietet auch eine Chance für einen Neubeginn und abgerechnet wird bekanntlich erst am Schluss – also nach 34 Spieltagen. Das Phrasenschwein wird es freuen.

Wir bleiben natürlich dran. Mit Schmackes eben.

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