Schon komisch irgendwie. Vor nicht einmal einem Jahr vollzog sich das Schicksal Armin Vehs beim VfB. Eine verfehlte Transferpolitik, der heraufbeschwörte traditionelle Stuttgarter Absturz nach den Höhenflügen, Veh erst ratlos, dann abgenutzt und schließlich abgekanzelt – wir titelten: „Die Macht der Self-fulfilling Prophecy“.
Der „Neue“, Markus Babbel, war schnell gefunden. Mondän, adrett, jung und unverbraucht. Vom Abseits ins Rampenlicht. Der Senkrechtstarter also. Dementsprechend ging die Kurve des VfB wieder steil nach oben, bis in die Champions League. Der mangelnde Trainerschein bis dato kein Problem. Im Gegenteil, man fand es sogar cool. Wozu ein Trainerschein, wenn man über das Bayern-Gen verfügt?
Es hätte alles so schön sein können. Doch nun, Ende Oktober 2009, stehen die Schwaben wieder da, wo sie symptomatischerweise immer dann landen, wenn sie ganz hoch hinaus wollen: im Abstiegskampf. Den hat jedenfalls Horst Heldt schon ausgerufen und ganz daneben liegt er damit nicht. Und so steht Heilsbringer Babbel schon wieder vor dem Abschuss. Seltsam. Betrachtet man die Vorzeichen, kann es sich hierbei – mal wieder – nur um eine Self-fulfilling Prophecy handeln.
Kaum war die Qualifikation für die Champions League unter Dach und Fach, kamen prompt wieder die ersten Unkenrufe auf, die dem VfB seinen zugegebenermaßen peinlichen letzten Auftritt in der europäischen Elite vor Augen hielten. Und der Start gegen die Glasgow Rangers, gegen die man nach guter erster Halbzeit gerade mal noch einen Zähler retten konnte, erinnerte unangenehm an jenes Desaster 2007/08. Mittlerweile sind drei Begegnungen absolviert und nur zwei Pünktchen auf der Habenseite. Der Tagesspiegel spricht den Schwaben bei dieser Gelegenheit das nötige internationale Niveau ab.
Damit wären wir – mal wieder – bei der Transferpolitik: Ist Pogrebnyak der neue Marica? Hleb der neue Bastürk? Unabhängig davon, dass die jeweils Zweitgenannten unsäglicherweise immer noch in Stuttgart unter Vertrag sind, gibt es durchaus Parallelen. O.K., wir wollen ja nicht unfair sein, aber wenn man die bisherige Ausbeute des Russen in Betracht zieht – na da stellen wir uns was Anderes unter einem Stürmer vor. Und Hleb? Hat sich Heldt da etwa wieder einen unfitten, verletzungsanfälligen Mittelfeld-Strandfußballer andrehen lassen? Dumm gelaufen. Ausgerechnet die beiden Spieler, die die Mannschaft auf internationales Spitzenniveau hieven sollten, haben jetzt schon in der Bundesliga Probleme. Diese Krise hat selbst auf Mario Gomez abgefärbt; und der ist ja längst nicht mehr da. Dummerweise. Für den VfB und für ihn.
Apropos Probleme: Seit Saisonbeginn ist nun der Trainerlehrgang Babbels in Köln das bestimmende Thema in den Medien. Zuvor noch nebensächlich, nun staatstragend. Ist Babbel jetzt Azubi? Abstiegskampffähig? Fragen über Fragen, die durch die Gazetten geisterten. Die gescheiterte Rotation tat ihr Übriges. Babbels Strahlkraft ist zwar noch nicht vollständig aufgebraucht, bei den Medien ist er jedoch offensichtlich bereits gescheitert. Wie der Tagesspiegel haben auch die Berliner Zeitung, ja gar die Stuttgarter Zeitung bereits mit Markus Babbel als Trainer abgeschlossen. Beide präsentieren gleich den Nachfolger: Marcel Koller.
Hier wären wir dann beim gezielt eingesetzten Gerücht. Koller hat wohl das Spiel des SC Freiburg gegen den FC Bayern München live im Stadion verfolgt. Bayern ist der nächste Heimgegner des VfB... Und prompt haben wir die Schlagzeile, Koller werde übernehmen, sollte die Noch-Babbel-Elf in Hannover nicht gewinnen. Ganz nebenbei, wann eigentlich hat der VfB das letzte Mal in Hannover gewonnen?! Egal, das Schicksal Babbels scheint besiegelt. Prompt beobachten die Medien – mal wieder – Ratlosigkeit und Resignation beim Trainer.
Was soll man dazu noch sagen? Wehret den Anfängen? Zu spät!
Eine ergiebige Zusammenschau des Meinungsbildes in den Medien über Babbel und den VfB gibt’s bei indirekter freistoss – Presseschau für den kritischen Fußballfreund...














