Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden lud ein: VfB Stuttgart und Vereine aus der Region schaffen ein Bewusstsein gegen Gewalt

Die Redaktion | 23. Okt. 2009 | 0 Kommentare
Am 10. Oktober traf die Profi-Mannschaft des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart zugunsten des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden und der Schulgemeinschaft Albertville-Realschule auf eine Regionalauswahl aus von dem Amoklauf am 11. März betroffenen Gemeinden. Vor über 1500 Zuschauern siegte der VfB standesgemäß mit 14:0. Doch das war im Grunde nebensächlich. Vielmehr wurde ein wichtiges gesellschaftliches Zeichen gesetzt, um „ein Bewusstsein zu schaffen“, wie Markus Babbel nach der Partie treffend formulierte.
Das Herbert-Winter-Stadion des SV Winnenden, so ziemlich genau in der geografischen Mitte zwischen der nach wie vor geschlossenen Albertville-Realschule, dem Ort jenes Amoklaufs eines 17-jährigen Schülers im März, und der neuen, vorübergehenden Container-Schule gelegen, konnte am 10. Oktober trotz zum Teil wolkenbruchartiger Regenfälle über 1500 Besucher zählen, die gekommen waren, um die Stars des VfB Stuttgart live und hautnah zu erleben. Der Bundesligist hatte im Vorfeld keinen Moment gezögert, die Einladung des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, gegründet von den Familien der Opfer, anzunehmen, und an diesem Tage, außer seinen bei den WM-Qualifikationsspielen weilenden Nationalspielern, alle fitten Profis geschickt.

So liefen auf Stuttgarter Seite beispielsweise Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann, Ludovic Magnin, der Brasilianer Elson, Roberto Hilbert, Christian Träsch, Jan Simak, Georg Niedermeier und Yildiray Bastürk auf. Der Türke glänzte mit insgesamt fünf Treffern. Dabei dauerte es bis zur 15. Minute, bis die Profis die Hintermannschaft der Regionalauswahl, die sich aus Spielern des SV Winnenden, TSV Wendlingen, TSV Schwaikheim, FSV Weiler zum Stein und SSV Steinach-Reichenbach zusammensetzte, zum ersten Mal überwunden hatten und Michael Klauß, Stürmer des „kleinen“ VfB, den Torreigen eröffnete. Zuvor hatte Jens Lehmann eine erste Tormöglichkeit der Amateure durch den Wendlinger Florian Wiest zunichte gemacht. In der Folge war die Begegnung – klar – eine eindeutige Angelegenheit zugunsten der Stuttgarter. Die weiteren Tore von Bastürk (5), Sebastian Hofmann (2), Clemens Walch, Roberto Hilbert, Georg Niedermeier, Jan Simak und Elson sowie ein Eigentor von Thomas Ulrich schraubten das Ergebnis schließlich auf 14:0.

Die Moderation des Rahmenprogramms im Winnender Stadion übernahm Günther Schroth, die bekannte Stimme der Radiosendung „SWR1 Stadion“. Vor Spielbeginn sorgte DJ Claus Blessing für Musik, in der Halbzeitpause waren die Red Poison Cheerleader mit ihrem aktuellen Programm aktiv. Diese Cheerleader-Gruppe zählt zur nationalen Spitze und landete bei den Deutschen Meisterschaften zweimal in Folge auf dem vierten Platz.

Klaus Renz, mit über 6000 Sprüngen der erfolgreichste Fallschirmspringer Baden-Württembergs, landete vor dem Anpfiff auf dem Feld mit dem Spielball im Gepäck. Sängerin Petra Rennings intonierte vor dem Anstoß den Song „Weil Du bei mir bist!“ von der Benefiz-CD des Aktionsbündnis.

Markus Babbel, Trainer des VfB, nach dem Spiel: „Dieses Benefizspiel soll ein kleines Zeichen sein, damit so etwas nicht mehr passiert. Wir wollen dazu beitragen, ein Bewusstsein zu schaffen.“ Dem pflichten auch wir von MIT SCHMACKES bei und bedanken uns beim Aktionsbündnis Amoklauf.

VfB Stuttgart

Lehmann (46. Hammel) – Magnin, Niedermeier, Pischorn, Schwarz (46. Hilbert) – Träsch, Bastürk, Simak, Elson – Klauß (46. Hofmann), Walch.

Regionalauswahl 1. Halbzeit

Hieber – Becker, Bruckner, Thoma, Hentschel – Wiest, Milojkovic, Hübscher, Weiblen – Peric, Akyuz.

Regionalauswahl 2. Halbzeit

Kurz – Musik, Ulrich, Rossanelli, Gohl – Gölz, Hermann, Haufe, Brenjenek – Rupp, Schmidt.

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden wurde am 23. März 2009 von den Initiatoren eines offenen Briefs an den Bundespräsidenten Horst Köhler, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger ins Leben gerufen. Es besteht aus Familien der Opfer des Amoklaufs vom 11. März 2009 an der Winnender Albertville-Realschule, die sich entschlossen haben, mit ihrer Trauer in die Offensive zu gehen. Anhand konkreter Forderungen an die Politik setzen sich die Hinterbliebenen dafür ein, dass eine solche Tat keine Wiederholung mehr findet. Das Aktionsbündnis fordert unter anderem die Änderung des Waffengesetzes, eine sogenannte Gewaltquote in den Medien sowie die bessere Sicherung von und Gewaltprävention an Schulen. Eine Woche nach dem Benefizspiel erregte das Aktionsbündnis mit seiner nächsten Veranstaltung Aufsehen, als es in Stuttgart Killerspiele einsammelte und entsorgte.

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