Auf dem Fußballplatz in der ca. 20 Kilometer von Leipzig entfernten Kleinstadt Brandis ist es am 24. Oktober zu erschreckenden Szenen gekommen. Ein vermutlich im Voraus geplanter Angriff von etwa fünfzig Rechtsextremisten auf die Gästemannschaft des Roten Stern Leipzig (RSL) hat drei schwer verletzte RSL-Anhänger und viele weitere Personen mit Verletzungen hervorgebracht. Der Landkreis um die Kleinstadt gilt seit vielen Jahren als Hochburg der rechtsextremen Szene. Die Angreifer hatten sich mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten bewaffnet, die mehreren Augenzeugenberichten zufolge auf dem Sportgelände deponiert gewesen sein sollen. Dieser Umstand, sowie die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten, lässt natürlich auf einen geplanten Überfall schließen. Zudem wurden die Gäste-Anhänger kurz vor Spielbeginn per Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Hälfte des Sportplatzes zu räumen, weil „die Dummen noch kommen“.
Mit Anpfiff der Begegnung kam es regelrecht zu Jagdszenen, in deren Verlauf auch pyrotechnische Erzeugnisse als Angriffsgegenstände benutzt wurden. Die Auseinandersetzungen zwischen den rechtsextremen Angreifern und den Anhängern des Roten Stern Leipzig führten schließlich nach zwei Minuten zum Abbruch des Ligaspiels. Unter Ausrufen wie z.B. „Scheiß Rote“ oder „Scheiß Zecken“ wurden die Fans, Offiziellen und Spieler des RSL teils schwer verletzt.
Erschreckend, aber auch Fingerzeig der immer unkontrollierbareren rechtsextremen Szene, die den Fußball als Plattform der Gewalt missbraucht, ist der Umstand, dass ein Ordner des gastgebenden Vereins FSV Brandis den Neonazis einen Eingang zum Sportgelände geöffnet und sich im Anschluss zu den Angreifern gesellt haben soll. Dass Ordner oder Security-Bedienstete selbst oft Gewaltbereitschaft zeigen, ist keineswegs neu, aber immer wieder bemerkenswert. Dass es sich bei besagtem Ordner um einen einschlägig bekannten Rechtsextremen handelt, war dem FSV Brandis Informationen der Leipziger Volkszeitung zufolge bewusst; man habe jedoch geglaubt, der Mann sei resozialisierbar.
Die Polizei muss was tun
Bei einem solchen Vorfall gilt es natürlich auch, nicht die Augen vor der Realität zu verschließen. Im Vorfeld der Begegnung hatte es nach übereinstimmenden Aussagen Offizieller beider Vereine mehrere Hinweise auf einen geplanten Übergriff gegeben. Dennoch habe die Polizei Westsachsen diese sowie die Bitten des FSV Brandis nach erhöhter Polizeipräsenz ignoriert. Im Gegenteil, der RSL erhebt konkrete Vorwürfe, die Polizei sei „völlig unvorbereitet“, „anfänglich schlichtweg nicht präsent“ und „während der Auseinandersetzung völlig überfordert“ gewesen.
„Zum Zeitpunkt des Neonazi-Angriffs waren keine Beamten auf dem Sportgelände.“
Das klingt äußerst erschreckend und stimmt sehr nachdenklich, zumal der Rote Stern Leipzig in der Vergangenheit des öfteren Zielscheibe von Übergriffen der rechten Szene wurde. Vor allem die geringe Zahl der angeblich verspätet eingetroffenen Polizisten sorgt im Lager des Clubs für einige Verwunderung, schließlich seien alle bisherigen Spiele des RSL mit deutlich größerer Polizeipräsenz geschützt worden.
Die Polizei Westsachsen weist in einer offiziellen Presseerklärung zu den Ereignissen alle Vorwürfe zurück: „Durch die Polizeidirektion Westsachsen wurden Einsatzkräfte unter Führung des Leitungsdienstes zusammengezogen und mit eigenen sowie unterstellten Kräften der Bundespolizei, Kräften der Polizeidirektion Leipzig sowie des Landes Sachsen ein Polizeieinsatz durchgeführt. Den eingesetzten Kräften gelang es, die Gruppierungen zu trennen und weitere Konfrontationen zu verhindern.“
Dem widerspricht allerdings der RSL in seiner eigenen Presseerklärung:
Die Polizei habe „weder die Neonazis von den Fußballzuschauern getrennt, noch den Angriff verhindert oder das Stadion geräumt.“
Die Polizei tut nun gut daran, die bedauerlichen Ereignisse vollständig aufzuklären und verantwortliche Personen zur Verantwortung zu ziehen. Denn aufkommende Gerüchte über einen „von der Polizei quasi geduldeten“ Übergriff sind fatal und ein desaströses Zeichen für die Sicherheit von Fußballspielen in Problemzonen.














