Gegen Gewalt auf unseren Plätzen

Gegen Gewalt auf unseren Plätzen

Heiner Baumeister (WFV) | 18. März 2010 | 1 Kommentar
An jedem Wochenende finden in Baden-Württemberg fast 10.000 Fußballspiele statt. Die überwiegende Anzahl der Begegnungen nimmt erfreulicherweise einen friedlichen Verlauf. Leider ist aber auch vereinzelt die Tendenz zu immer brutaleren Übergriffen festzustellen – nicht in der Quantität, jedoch in der Qualität der Vorfälle. Wir erleben in diesen Fällen eine Verrohung bei Spielern und Zuschauern, und zwar sowohl im Umgang miteinander als auch gegenüber unseren Schiedsrichtern.

Diese Entwicklung veranlasst die drei Fußballverbände in Baden-Württemberg dazu, nicht nur einen dringenden Appell an alle im Fußball Aktiven und die Zuschauer zu richten, sondern auch ganz konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Der Badische, der Südbadische und der Württembergische Fußballverband haben beschlossen, dieser Entwicklung entschieden entgegenzutreten und – gemeinsam mit dem Landespolizeipräsidium Baden-Württemberg – weitere wirksame Maßnahmen der Prävention und der Repression zu ergreifen.

Bei einer gemeinsamen Arbeitssitzung und in einer anschließenden Pressekonferenz wurden am Donnerstag Maßnahmen verabredet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die baden-württembergischen Fußballverbände wurden dabei vertreten von Ronny Zimmermann (Präsident bfv), Walter Kautz (Vizepräsident SBFV) und Herbert Rösch (Präsident wfv). Für die Polizei Baden-Württemberg nahmen Landespolizeipräsident Dr. Wolf Hammann und der Inspekteur der Polizei Dieter Schneider an den Gesprächen teil.

Auf der Basis einer ausführlichen Analyse der Situation im Amateurfußball wurden konkrete Schritte vereinbart. So werden künftig die Ordnerdienste der Vereine verstärkt und weiter qualifiziert. Eine intensivere Zusammenarbeit mit der Polizei erfolgt auch über „Problemspiele“ hinaus. Landespolizeipräsident Dr. Hammann: „Unser gemeinsames Ziel ist es weiterhin, dass die Polizei nicht auf Fußballplätzen in Erscheinung treten muss. Wir werden aber selbstverständlich dabei helfen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Wir haben beispielsweise die Mitwirkung der Polizei bei Schiedsrichter- und Ordnerschulungen angeboten.“

Die konkreten Schritte umfassen neben der Verstärkung von Ordnerdiensten der Vereine die Intensivierung sportrechtlicher Sanktionen, die Einrichtung eines Verbandsservice für Vereine sowie die traditionelle Pflege des sportlich fairen Kontakts – beispielsweise mit dem Handschlag vor dem Anpfiff. „Nachdem häufig soziale Konflikte in den Fußball hineingetragen werden, ist es umso wichtiger, verstärkt den fairen Umgang miteinander und den Respekt voreinander aktiv einzufordern“, sagt Herbert Rösch. „Unser Ziel kann nur die harmonische Zusammenführung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen auf den Fußballplätzen sein, denn im Fußball haben wir eine einmalige gesellschaftliche Chance“, bestätigt Ronny Zimmermann.

Die hervorragende Zusammenarbeit mit der Polizei ist für Walter Kautz ein wichtiger Erfolgsfaktor: „Wir pflegen in Baden-Württemberg traditionell einen intensiven Austausch. Hier können wir sicherlich in der Kommunikation noch offene Potenziale nutzen“. Der Inspekteur der Polizei Dieter Schneider bekräftigt dies: „Wir müssen auf kurzen Wegen vorausschauend agieren. Ich kann mir beispielsweise gemeinsame Aktionen gegen Alkoholmissbrauch vorstellen oder die individuelle Beratung von Vereinen, bei denen es mehrfach zu Auffälligkeiten kam.“

„Wir sind tolerant und spielen fair – gegen Gewalt auf unseren Plätzen“ heißt das Motto, mit dem Fußballverbände und Polizei der aktuellen Entwicklung entgegen treten. „Wir sind froh darüber, dass wir über konstruktive Gespräche innerhalb kurzer Zeit einen hoffentlich wirksamen Maßnahmenkatalog erarbeiten konnten“, bilanziert Herbert Rösch. „Allerdings hilft es nicht, nur große Worte zu machen. Wir müssen an der Basis wirken und dort einen Umdenkprozess einleiten. Mit Leidenschaft, Ehrgeiz, Emotion wollen wir uns identifizieren“. Für Gewalttäter gibt es – nicht erst seit heute – die rote Karte.

Kommentar Nr. 1
HOENESS | 19. März 2010 | 00:14
Der WFV-Präsident Rösch spricht richtig von "an der Basis wirken"... Aber wie soll das konkret bewerkstelligt werden, durch Schulungen oder Seminare bzw. Informationsabende für Vereine kann das sicherlich nicht erreicht werden. Außerdem stellen wohl die wenigsten Vereine in den unteren Klassen Platzordner. Wenn es heißt "Verstärkung von Ordnerdiensten der Vereine" ist das ja auch wiedereinmal eine Kostenfrage. Wer zahlt? Die Kommunen, die Vereine, die Verbände...? Klingt mal wieder nach viel Gerede und wenig Taten.

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