Wir stehen Spalier in Barcelona

Franz Messing | 18. März 2010 | 0 Kommentare
Was ein Abend! Da hatten die meisten VfB-Anhänger insgeheim an ein „Wunder von Barcelona“ gehofft und dann sowas. DFB-Sportdirektor und TV-Experte im Camp Nou Matthias Sammer sprach – zurecht – von „Kindergartenfußball“ und forderte einmal mehr „deutsche Tugenden“. Mit solchen Umschreibungen und Phrasen wie „Duftmarke hinterlassen“ brachte der ehemalige VfB-Aggressive-Leader mehr oder weniger klar zum Ausdruck, welche Gangart angebrachter gewesen wäre: „Schlagt ihnen die Stutzen ab!“ Was ging noch so durch den regionalen Mediendschungel über die peinliche Pleite der Schwaben?

„Bitterer Abschied von Europa“ titelt die Stuttgarter Zeitung und meint damit in erster Linie VfB-Torhüter Jens Lehmann, der wohl das letzte Mal in seiner Karriere ein Champions-League-Achtelfinale bestritt. Zumindest ließ er sich es nicht nehmen, durch Provokationen nochmals auf sich aufmerksam zu machen (gähn). Naja, angeblich soll Lehmanns Sohn Fan von Lionel Messi sein.

Aliaksandr Hleb unterstellte seinen Mannschaftskameraden „Die meisten von uns hatten Angst“. Darin und in seiner Spielanalyse, man habe den „Unterschied zwischen einer Spitzenmannschaft und einer normalen Mannschaft gesehen“, schwingt mit, dass er wohl nicht allzu große Stücke auf seine Mitspieler hält und – fast schon peinlich – den Unterschied zwischen einem Spitzenspieler wie Messi und sich selbst nicht wirklich wahrzunehmen scheint. Gut, wenn er im Sommer wieder weg ist. Die Frage ist nur, welcher Verein sich ihn nach der Saison antun will: Neusten Gerüchten zufolge die Söldner-Truppe von Manchester City. Na, da gehört er hin.

Die Stuttgarter Nachrichten gewinnen der Pleite mit dem einhergegangenen Lernprozess noch etwas Positives ab und unterstreichen dies am Beispiel von Stefano Celozzi. Der Ex-KSCler war, wie man eigentlich erwarten konnte, maßlos überfordert. Ganz zu schweigen von seinen desaströsen Flankenversuchen... „Vielleicht hätten wir härter sein müssen, vielleicht hätten wir mal einen umhauen sollen.“ Richtig! Zumindest zeigt er sich tatsächlich lernwillig.

Ebenfalls Martin Haar von den Stuttgarter Nachrichten trifft den Nagel auf den Kopf mit seiner Headline „Messe mit Messi – Dribbelkönig macht Profis zu Amateuren“. Dabei geht der Autor kurz auf Barcelonas Philosophie der Jugendabteilung ein und zitiert deren Koordinator Albert Capellas: „Schnelle Denker sind uns wichtiger als schnelle Spieler.“ „Die Devise lautete ein Ballkontakt – und das auf einem Kleinfeld mit 22 Spielern“, so Messi über seine Junioren-Jahre. Ein spanischer Reporter soll Barcelona-Trainer Guardiola nach dem Spiel in Bezug auf seinen argentinischen Stürmerstar übrigens gefragt haben: „Wird alles, was er berührt, zu Gold?“

Nochmals Haar spricht in einem weiteren Artikel von der „Stunde null in Barcelona – VfB vor dem Neuanfang“. Er sieht die Gefahr, dass das enttäuschende Aus gewaltig auf die restliche Saison abfärben könnte. Zu groß schätzt er den Rückstand zu den Europa-League-Plätzen ein, um einen Spannungsverlust zu vermeiden. Trainer Christian Gross fordert nun von seinen Spielern, „Stolz“ zu zeigen.

Die Bild-Zeitung spricht von den „VfB-Versagerle“ und schreibt „Messi schießt Lehmann in Euro-Rente“.

In den Kommentaren zum Appetizer-Vorbericht des Spiels auf kessel.tv findet sich letztlich noch ein Eintrag, der die Post-Überschrift „Das Wunder von Barcelona“ zur „Wunde von Barcelona“ degradiert. Hehe, sehr schön...

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