Die im Mai 2009 erstmals im Fernsehen ausgestrahlte DSF-Dokumentation entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur und der Produktionsfirma Filmworks. „TABUBRUCH – Der neue Weg von Homosexualität im Fußball“ ist im Grunde die Weiterführung von Aljoscha Pauses erstem Film zu dieser Thematik, „Das große Tabu – Homosexualität und Fußball“. Diese erste Annäherung an das große Tabu-Thema ging im Jahr 2008 der Frage nach dem Ist-Stand der gleichgeschlechtlichen Liebe im beliebtesten deutschen Sport nach. Und erntete erstaunlich große Resonanz.
Während beim Deutschen Fußball-Bund sowie bei zahlreichen Hauptdarstellern der deutschen Fußball-Szene eine durchaus offene Haltung zu dem Thema zutage trat, kam Pauses erste Dokumentation durch Aussagen einiger Fans und vor allem auch durch die viel zitierten Meinungsäußerungen vom damaligen Köln-Trainer Christoph Daum zu dem Schluss, dass eine offene, unaufgeregte Haltung der Homosexualität im Fußball gegenüber nur schwer und auf einem langen Weg erreicht werden könne.
Im Anschluss daran ging Autor Pause weitere 12 Monate der Fragestellung nach, ob es diesen „Tabubruch“, gleichzeitig Titel des nun prämierten Films, nach dem Aufhorchen 2008 beim DFB denn tatsächlich gegeben habe. Dabei gelangt die Dokumentation zu vielen neuen Erkenntnissen. Pause begleitet mit seinem Team exklusiv DFB-interne Meetings und Prozesse, Christoph Daum gibt nochmals ein ausführliches Interview zu seinen umstrittenen Äußerungen im Jahr zuvor und auch internationale Aspekte von Fußball und Homosexualität werden berücksichtigt. So kommen u.a. Luca Toni, Louis van Gaal und Hernan Crespo zu Wort. Sehr interessant ist auch ein Interview eines ehemaligen italienischen Profis der Serie C, der inzwischen als Callboy sein Geld verdient und bereits von einigen Fußballern der ersten italienischen Liga gebucht wurde. Der Frauenfußball findet ebenfalls ausführliche Berücksichtigung. Zum ersten Mal nehmen dabei aktuelle deutsche Nationalspielerinnen öffentlich Stellung zu ihrer homosexuellen Beziehung. So erzählt Martina Voss, zweimalige Fußballerin des Jahres in Deutschland, von ihrem Rauswurf aus der Nationalmannschaft nach Streitigkeiten mit ihrer damaligen Lebensgefährtin Inka Grings.
Desweiteren begleiten Aljoscha Pause und sein Kamerateam u.a. den ersten Auftritt des DFB bei einem Christopher Street Day in Köln im Juli 2008, die führende Aktivistin in Sachen Homosexualität und Fußball, Tanja Walther, und den homosexuellen Präsidenten des FC St. Pauli, Corny Littmann.
Ein Auszug aus der Begründung der Jury des Adolf-Grimme-Preises: „Sensibel nimmt Pause dabei die Zwischentöne in der Debatte wahr. Wenn etwa Trainer Christoph Daum sich einerseits liberal geben will und andererseits in seinen Sätzen doch immer wieder Homosexuellen-Klischees durchklingen. Der Autor zeigt die auf dem Fußballplatz – vor allem bei den Fans – weit verbreitete Homophobie, und er erklärt, warum ein einschlägiges Outing für einen schwulen Fußballstar karrieregefährdend ist.“
Weiter heißt es: „Mit diesen aufdeckenden Beobachtungen wird eine Debatte journalistisch gefördert, die auch in den öffentlich-rechtlichen Sendern nur selten zur Sprache kommt. Beeindruckend ist, wie nah Pause mit seinem Team an die sorgsam abgeschirmten Stars der Bundesliga kommt. Ihre Statements, die zwischen sozial erwünschter Toleranzerklärung und hartnäckigen Vorurteilen schwanken, lassen so zugleich ein Sittengemälde entstehen. Pause sucht in diesem Sujet nicht die Sensation, er jagt keinem Outing hinterher. Seine beiden Filme sind im besten Sinne aufklärerisch.“
Die Preisverleihung des 46. Adolf-Grimme-Preises findet am 26. März 2010 im Theater Marl statt. Im Fernsehen wird sie ab 19 Uhr live übertragen im ZDF-Theaterkanal und zeitversetzt ab 22:35 Uhr auf 3sat.
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