Während das Bundesland Bayern im sehenden Fußball national wie international eine feste, nicht mehr wegzudenkende Größe darstellt, betrat der Blindenfußball in dieser Saison im Freistaat Neuland, genauer gesagt in Würzburg. Die Zusammenarbeit zwischen dem Vital-Sportverein Würzburg, der Blindeninstitutsstiftung und dem Berufsförderungswerk (BFW) hat es ermöglicht, dass nach einem Testspiel im Oktober 2009 zwischen dem deutschen Vorreiter MTV Stuttgart und dem BFW Würzburg die Deutsche Blindenfußball-Bundesliga (DBFL) nun Halt in Unterfranken machte. Nach dem ersten Spieltag am 13./14. März in Barsinghausen durften sich die rund 120 Zuschauer auf dem Sportgelände der Universität am Hubland an zwei Tagen über ebenso interessante und spektakuläre Spiele freuen.
Das Aufeinandertreffen des MTV Stuttgart mit den Würzburger Gastgebern stellte die letzte Begegnung des zweiten Spieltags dar. Die Einheimischen konzentrierten sich dabei in erster Linie auf körperbetontes Abwehrverhalten, um die stets offensiven Schwaben durch Kompaktheit in Schach zu halten. Zudem sorgten die Entlastungsangriffe durch den agilen Cengiz Koparan immer wieder für Gefahr vor dem Stuttgarter Gehäuse. So wehrte sich die vom Trainer-Gespann Ansgar Lipecki und Martina Junker taktisch klug eingestellte Würzburger Mannschaft tapfer gegen den technisch überlegenen Gegner.
Dennoch fiel Mitte der ersten Halbzeit die Führung für den MTV durch einen schönen Treffer von Spielmacher Vedat Sarikaya, der den Ball aus halblinker Position exakt in die linke Ecke des Würzburger Tores platzierte und so dem gut aufgelegten Würzburger Schlussmann Matthias Küsters keine Chance ließ. Mit diesem knappen 1:0-Vorsprung für Stuttgart ging es dann in die Halbzeitpause.
In Hälfte zwei blieben die Schwaben eindeutig am Drücker, scheiterten aber mehrmals an Würzburgs Küster, der sein Team mit seinen Paraden im Spiel hielt. Nun wurde die Partie etwas hektisch, die Fouls häuften sich. Durch einen Strafstoß-Pfiff ergab sich für Würzburg kurz vor dem Ende dann die große Chance zum Ausgleich. Beim Blindenfußball erfolgt die Ausführung eines Strafstoßes aus sechs Metern; der Guide hinter dem Tor klopft zur akustischen Orientierung des Schützen beide Pfosten an. Sebastian Schäfer trat an, scheiterte jedoch am glänzend parierenden Stuttgarter Keeper Sascha Müller, der damit den knappen, aber verdienten MTV-Sieg sicherte.
Am Ende dieses Artikels findet sich ein Video mit den letzten zehn Minuten der Partie.
Nach dem Abpfiff der letzten Begegnung an diesem Doppelspieltag machte sich bei den Akteuren sowie den Zuschauern, die sich während der Spiele wie beim Tennis ruhig verhalten, damit die Spieler das Rasseln des Balls sowie die Anweisungen der Trainer und Guides verstehen können, wie schon beim ersten Spieltag in Barsinghausen Begeisterung breit. Starke Leistungen der Spieler werden für gewöhnlich von Fans, Mitspielern und Gegnern mit anerkennendem Lob belohnt. „Der Blindenfußball soll vor allem eine integrative Funktion übernehmen und das Selbstbewusstsein der sehbehinderten Akteure stärken“, betont Stuttgarts Trainer und Coach der Nationalmannschaft Ulrich Pfisterer.
„Das war eine ganz starke Mannschaftsleistung, die uns sogar fast einen Punkt eingebracht hätte. Wir sind mit dem gesamten Spielverlauf hochzufrieden“, zeigte sich auch Würzburgs Mittelfeldspieler Marcel Heim stolz. „Auf diese Leistung können wir aufbauen.“ Sein Abwehrkollege Jens Pleier pflichtete ihm bei und ergänzte: „Unser Ziel ist es, am Ende der Saison Platz sechs zu belegen. Die Punkte dafür müssen wir in den nächsten Spielen holen. Aber heute wird erstmal gefeiert.“ Pleier fügte angesichts des 0:1 gegen den Titelverteidiger MTV nicht ganz ernst gemeint hinzu: „Wir müssen uns jetzt nur damit abfinden, dass wir nicht mehr Deutscher Meister werden können.“
Die Ergebnisse des 2. Spieltags und die Tabellensituation
Das Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg rutschte durch die nur knappen Niederlagen vom letzten Platz einen Tabellenrang nach oben und liegt nun vor den Kickern des Chemnitzer FC, der gegen den MTV Stuttgart ungleich deutlicher mit 0:6 den Kürzeren zog. Die Schwaben fielen jedoch aufgrund des schlechteren Torverhältnisses von der Tabellenspitze auf den zweiten Rang zurück. Neuer Tabellenführer ist der ISC Viktoria Dortmund, der das neue Schlusslicht ebenfalls mit 6:0 besiegen konnte, aber gegen die SG Saarbrücken/Braunschweig mit 4:0 Toren die Oberhand behielt. Dortmund ist im Übrigen das einzige Team ohne Gegentreffer in dieser Saison.
An dritter Stelle liegt der LFC Berlin, der nach dem knappen 1:0 zum Spieltagsauftakt gegen Würzburg auch seine Begegnung am Sonntag mit dem VfB Gelsenkirchen gewinnen konnte (4:0). Die Gelsenkirchener, jetzt Fünfter, trennten sich von der SSG blista Marburg, punktgleich einen Rang davor, 1:1 unentschieden. Die Marburger besiegten den Drittletzten FC St. Pauli in der torreichsten Partie des Spieltags mit 6:2. Die Hamburger unterlagen zuvor auch der SG Saarbrücken/Braunschweig (0:1), die auf dem sechsten Tabellenplatz rangiert.
Am 8. und 9. Mai gastiert die Deutsche Blindenfußball-Bundesliga dann zum 3. Spieltag in Marburg, bevor sich am 5./6. Juni am 4. und letzten Spieltag in Hamburg die Meisterschaft entscheidet.
Pfisterer mit seinem Nationalteam auf Länderspielreise
Die Nationalmannschaft um Trainer Ulrich Pfisterer machte sich diese Woche auf den Weg nach England, wo man im April noch zwei Freundschaftsspiele gegen das englische Nationalteam bestreitet. „Die Engländer sind Vize-Europameister, und der englische Verband hat uns 2006 dabei geholfen, die Infrastruktur unserer Bundesliga aufzubauen. Nun wollen wir sehen, ob es Deutschland nach der kurzen Entwicklungsphase bereits mit der Weltspitze aufnehmen kann. Vielleicht gewinnen wir ja im Sechsmeterschießen, da sind die Engländer allgemein sehr anfällig“, so Pfisterer humorvoll. Für das deutsche Team stellt gerade dieses Gastspiel beim Gastgeber der Weltmeisterschaft den Höhepunkt des Jahres dar, zumal Pfisterer und seine Schützlinge in diesem Jahr nicht an der WM teilnehmen werden: „Dies wird unsere persönliche Weltmeisterschaft sein.“
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Lesenswert zum Thema Blindenfußball allgemein, zum 1. Spieltag der Blindenfußball-Bundesliga 2010 in Barsinghausen sowie zum MTV Stuttgart: Unser Artikel MTV Stuttgart: Der FC Bayern der Blindenfußball-Bundesliga
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Hier die letzten 10 Minuten zwischen Würzburg und dem MTV Stuttgart:














