Der Vereinsschiedsrichterbeauftragte: Infoabend der Schiedsrichtergruppe Nürtingen

Der Vereinsschiedsrichterbeauftragte: Infoabend der Schiedsrichtergruppe Nürtingen

Die Redaktion | 4. Sept. 2010 | 1 Kommentar
Der Württembergische Fußballverband (wfv) richtet einmal mehr sein Augenmerk auf das Schiedsrichterwesen. Als Bindeglied zwischen dem Verband bzw. den verschiedenen Schiedsrichtergruppen in den Bezirken und den unzähligen Vereinen, aus denen die Unparteiischen hervorgehen, soll nun eine Position gestärkt werden, die bisher unter der Bezeichnung Schiedsrichter-Betreuer mehr schlecht als recht in den Vereinen umgesetzt war: Der Vereinsschiedsrichterbeauftragte. Welche Neuerungen und welche Kompetenzen bringt das neue Amt nun mit sich? Für die Beantwortung dieser Fragestellungen besuchten wir den Infoabend der Schiedsrichtergruppe Nürtingen in Kohlberg.

Harald Kuhn, der Obmann der Nürtinger Schiedsrichtergruppe, eröffnete den Abend. Der Einladung, sich zu dem durchaus wichtigen Thema des Vereinsschiedsrichterbeauftragten, kurz VSRB, zu informieren, waren 23 Vereine im Teilkreis Nürtingen des Bezirks Neckar-Fils gefolgt. Damit lag die Quote knapp unter 50 Prozent – immerhin, wenn man bedenkt, dass in der Vergangenheit Schulungen und Informationsabende auch schon unter spärlichster Teilnehmerkulisse abgehalten wurden.

Nach dem Grußwort des Vorsitzenden des gastgebenden TSV Kohlberg, Frank Bauder, ergriff Harald Kuhn die Möglichkeit, sich kurz bei den anwesenden Vereinsvertretern vorzustellen, hat er das Amt des Kommissarischen Obmanns der SR-Gruppe doch erst seit kurzer Dauer inne. Ein Unbekannter ist er den Vereinen im Bezirk jedoch mit Sicherheit nicht, denn Kuhn pfeift seit 1982 Spiele bis zur Bezirksliga (12 Jahre davon als Assistent auch in der Landes- und Verbandsliga) und war 15 Jahre lang Stellvertretender Obmann. Zudem wurde er im Laufe der vielen Jahre mit den Schiedsrichter-Ehrennadeln in Bronze, Silber und Gold geehrt. Kuhn pfeift im Übrigen für seinen Heimatverein TSV Neckartailfingen.

Danach übergab er das Wort Steffen Müller, Jungschiedsrichterkoordinator der SRG Nürtingen und seit 1996 Schiedsrichter bis zur Landesliga (als Assistent bis zur Oberliga), der in Anwesenheit von Bezirksvorstand Heinz Thumm durch den Abend führte. Müller stellte den Teilnehmern zuerst die Nürtinger Schiedsrichtergruppe in Wort und Bild vor und untermalte seine Ausführungen mit einer Handvoll Zahlen. Die SRG Nürtingen besteht derzeit aus 178 Schiedsrichtern (davon 14 passiv), darunter 4 Frauen. Der Altersdurchschnitt beträgt knapp 37 Jahre. Unter den 178 Referees ist der Bekannteste – und damit das „Aushängeschild“ – sicherlich Oberliga-Schiedsrichter Johannes Steck vom TSV Oberensingen.

Dass in der Schiedsrichtergruppe Nürtingen gute Arbeit geleistet wird, untermauert bereits der Fakt von ca. 4500 eingeteilten Spielen in der letzten Saison. Auch der Bezirk Neckar-Fils im Allgemeinen steht mit insgesamt derzeit 408 Referees einwandfrei da. Im wfv mit seinen 41 Schiedsrichtergruppen hat lediglich der – ohnehin geographisch größte – Bezirk Hohenlohe mit 477 Schiedsrichtern zahlenmäßig mehr zu bieten.

An der Basis wirken die Schiedsrichtergruppen in Zusammenarbeit mit den Sportvereinen in den Teilkreisen, um einerseits neue Schiedsrichter zu gewinnen, andererseits bereits ausgebildete Unparteiische zu erhalten. Gerade der Schiedsrichter-Erhaltung komme, so Steffen Müller, eminente Bedeutung zu. Zum Beleg führte er die Ausbildungs- sowie Abmeldezahlen der vergangenen vier Jahre an. So wurden in insgesamt 80 Neulingskursen in den Jahren 2006 bis 2009 zwar 1140 Schiedsrichter ausgebildet; mit 1054 Abmeldungen seien jene jedoch im Grunde wieder amortisiert. Dabei sei die Rate derer, die der Pfeife in den ersten drei Jahre wieder abschwören, am höchsten. Zentrale Gründe hierfür seien zunehmende Pöbeleien auf den hiesigen Sportplätzen sowie ein unterschätzter Zeitaufwand oder berufliche/familiäre Veränderungen.

Auch die Altersverteilung der Referees innerhalb des wfv verdeutlichte den anwesenden Vereinsvertretern die Problematik: Während die Gruppe der Jungschiedsrichter (16-20 J.) die bei weitem größte ist und danach die 40- bis 60-Jährigen folgen – die Jung-SR aber eben durch die hohen Abbrecherraten fast vollständig getilgt werden und die „Alten“ zwangsläufig nach und nach in den „Ruhestand“ übergehen –, stellen die 25- bis 40-Jährigen die große Problemzone dar, der eigentlich so wichtige Nachwuchs. Denn auf einen der „alten Hasen“ kämen fünf junge Referees, um diesen zu kompensieren. Prekäre Aussichten also für das Schiedsrichterwesen.

Schiedsrichterwesen bisher „fünftes Rad am Wagen“

Aus diesen Gründen hat nun der Verbandsschiedsrichterausschuss dieses Thema neu aufgegriffen und will die oftmals unzulängliche Basisarbeit der Schiedsrichter-Betreuung in den Vereinen durch die Einführung des Amtes des „Vereinsschiedsrichterbeauftragten“ (VSRB) verbessern. Denn bisher sei die Zusammenarbeit der zuständigen Schiedsrichtergruppen mit den Vereinen bisweilen alles andere als eng gewesen, da in vielen Vereinen das Schiedsrichterwesen als „fünftes Rad am Wagen“ behandelt werde, so der anwesende Klaus Bühler, Vorgänger von Harald Kuhn als Obmann der SRG Nürtingen. Der Umstand, dass im Teilkreis Nürtingen (der im Grunde als stellvertretend betrachtet werden kann) 13% der Vereine über 50% der Unparteiischen stellen, sei deutliches Indiz dafür. Angesichts dessen forderte Bühler „zumindest ein Bemühen“ der mangelhaften Vereine ein.

Auch Harald Kuhn ergriff in der nun aufflammenden Diskussion das Wort und forderte die Vereinsvertreter auf, „die Sinne zu schärfen“. Aus dem Teilnehmerkreis wurde hierzu entgegnet: „Den Vereinen gehen einfach die Leute aus“, so einer der Vertreter, „die Dummen sind die Kleinen; die haben nämlich über kurz oder lang nicht genügend Leute für die vom Verband geforderten Positionen.“

Steffen Müller wies an dieser Stelle auf die Schiedsrichterzahlen kleiner Vereine im Vergleich zu vermeintlich größeren Vereinen hin. Als Beispiele dienten hier der Bezirksligist FV 09 Nürtingen, mit 10 anrechenbaren Schiedsrichtern weit über dem Soll, und der VfL Kirchheim/Teck, als Oberligist mit gerade einmal drei Referees. Entscheidend sei, so Müller, nicht die vermeintliche Größe des Vereins, sondern die Identifikation bzw. Vereinsarbeit innerhalb.

Aufgaben eines Vereinsschiedsrichterbeauftragten (VSRB)

Gerade deshalb unterstrich Müller anhand der Aufgabenbeschreibung eines Vereinsschiedsrichterbeauftragten die Bedeutung, die das Amt in Zukunft innehaben soll. Zu allererst dient der VSRB als Bindeglied zwischen dem Verein und der zuständigen Schiedsrichtergruppe, das den Informationsfluss in beide Richtungen proaktiv aufrecht erhalten soll. Er ist Ansprechpartner für den Verband bzw. die SR-Gruppe einerseits und andererseits für die Schiedsrichter im eigenen Verein. Daher sollte er sowohl über aktuelle Regelkenntnis verfügen als auch die Akzeptanz der Vereinsleitung genießen. Gemäß wfv-Satzung sollte der VSRB Stimmrecht im Gesamtvorstand besitzen. Müller warnte deshalb davor, den VSRB als „notwendiges Übel“ zu betrachten und plädierte mit der Umschreibung „Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen“ für eine feste Verankerung im Verein. Außer diesen Punkten soll der Vereinsschiedsrichterbeauftragte im eigenen Verein für die Schiedsrichter-Gewinnung sowie -Erhaltung sorgen. Müller schloss diese Ausführungen mit dem Hinweis, dass der VSRB nicht zwangsläufig der Schiedsrichter-Betreuer im klassischen Sinne sein müsse.

Zum Abschluss des knapp 90-minütigen Informationsabends im neu renovierten Kohlberger Vereinsheim wurde nochmals eingehend und kontrovers über die vom Verband geforderte Neuerung diskutiert. Besorgt und kritisch zeigten sich viele Vereinsvertreter hinsichtlich drohender Sanktionen oder weiterer Bußgelder in Verbindung mit der Schiedsrichter-Arbeit im Verein. Zudem bemängelten viele Vertreter Motivationsprobleme in der Vereinsarbeit, alle Forderungen von Verbandsseite adäquat erfüllen zu können.

Nichtsdestotrotz sind die Vereine aufgefordert, bis Mitte September einen Vereinsschiedsrichterbeauftragten zu benennen. Um den Jahreswechsel wird dann eine dezentrale Schulung der jeweiligen VSRB auf Bezirksebene durch die jeweiligen Schiedsrichtergruppen und den Lehrstab sowie ein Mitglied des Verbandsschiedsrichterausschusses stattfinden, zu der die Vereinsschiedsrichterbeauftragten noch angeschrieben werden.

„Wir sitzen alle in einem Boot“, so Steffen Müller abschließend, „ohne Vereine gibt es keinen Spielbetrieb, und ohne Schiedsrichtergruppe gibt es auch keinen Spielbetrieb.“

Kommentar Nr. 1
Susanne81 | 24. Nov. 2010 | 01:32
Guten Abend! mein Name ist Susanne Hey leute, hab mich gerade erst angemeldet! Ciao Susanne

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