Sportpark im Speck, Wendlingen 3

Barcelona zu stark für Leverkusen

Uwe Gahala | 14. Feb. 2012 | 0 Kommentare
Da im Schwabenland auf absehbare Zeit keine Champions-League-Abende mehr zu erwarten sind, haben wir uns gedacht, mal wieder das internationale Parkett zu betreten. Grund genug, denn der aktuelle Titelverteidiger der Königsklasse, der FC Barcelona, gab seine unverwechselbare Visitenkarte in deutschen Gefilden ab, genauer gesagt in Leverkusen. Dort hatten die alltäglichen Debatten um Dutt, Ballack und Co. die Vorfreude auf dieses absolute Highlight erheblich getrübt. Mit einem Weiterkommen rechnete die Werkself dabei wohl selbst am wenigsten, obwohl der vermeintlich besten Mannschaft der Welt derzeit so etwas wie eine kleine Krise nachgesagt wird. Jedenfalls begann die Dutt-Truppe ohne jeglichen Mumm und verbarrikadierte sich in der ersten Halbzeit mit allen Akteuren vor dem eigenen Sechzehner. Ziel sollte laut Dutt wohl sein, für das Rückspiel nicht uneinholbar ins Hintertreffen zu geraten. Das ging schief: Am Ende gewann Barcelona mit 3:1 – und Bayer ist realistischerweise bereits raus.

Die Stimmung in der Leverkusener BayArena war im Vorfeld also alles andere als optimistisch. Hinzu kam nun, dass Trainer Robin Dutt verletzungsbedingt auf die Offensivkräfte Sidney Sam und Eren Derdiyok und die erfahrenen Michael Ballack und Tranquillo Barnetta verzichten musste. Angesichts dessen und der bekannten spielerischen Übermacht der Gäste um Trainer Josep „Pep“ Guardiola ließ der Bayer-Coach seine Akteure enorm defensiv antreten, ohne echte Speerspitze, lediglich mit André Schürrle auf halblinks und in der Zentralen Renato Augusto etwas vorgezogen vor Gonzalo Castro.

So standen die Deutschen zum Teil mit Mann und Maus in der Zone vor dem eigenen Sechzehner und versuchten die Pass-Maschinerie Barcelonas im engmaschigen Raum zu verheddern. So wirklich Zugriff bekam Bayer dabei jedoch nicht. Messi und Co. ließen den Ball in unnachahmlicher, zermürbender Art durch die Reihen laufen, ohne aber zunächst Torgefahr heraufzubeschwören. Ballbesitz der Spanier: 78 Prozent.

Höhepunkte gab es so gut wie keine. Eine Gelbe Karte gegen Verteidiger Daniel Schwaab wegen des ersten harten Einsteigens in der Begegnung gegen Eric Abidal (08.) sowie eine feine Rettungsaktion desselben vor dem einschussbereiten Messi nach einem Querpass von Alexis Sánchez in den Fünfmeterraum (13.) waren alles, was die 29.400 Zuschauer im weiten Rund geboten bekamen. Kurz vor dem Seitenwechsel ging die Guardiola-Elf dann doch in Front. Ein Fehlpass von Stefan Reinartz in der Vorwärtsbewegung brachte Messi im Mittelfeld in günstige Position; der Argentinier schickte Sánchez mit einem Außenristpass auf die Reise und der chilenische Nationalspieler hatte wenig Mühe, den herauskommenden Bayer-Keeper Bernd Leno per Tunnel zum 1:0 für die Gäste zu überwinden (41.).

In der zweiten Spielhälfte passierte zunächst das Unerwartete: Leverkusen kam zum Ausgleich! In der 52. Minute köpfte der aufgerückte Michal Kadlec eine Flanke von Vedran Corluka von der rechten Außenbahn ein zum 1:1. Doch es dauerte nur drei Minuten, ehe die Gäste mit ihrer erdrückenden Dominanz konterten. Cesc Fàbregas spielte schön in die Nahtstelle der linken Leverkusener Abwehrseite zwischen dem Torschützen Kadlec und Innenverteidiger Manuel Friedrich hindurch, und Außenstürmer Sánchez stand erneut alleine vor Leno, den er umkurvte und zu seinem wie Barcelonas zweitem Treffer nutzte.

Nachdem Renato Augusto im Gegenzug mit seinem Schussversuch am parierenden Victor Valdés und Augenblicke darauf Gonzalo Castro nach Schürrle-Zuspiel an Valdés und dem Pfosten gescheitert war (65.), konzentrierten sich die Katalanen wieder auf ihren Ballbesitz und nahmen mit ihrem Flachpass-Spiel das aufgekommene Tempo der Begegnung wieder raus. Die Dutt-Elf bekam jetzt wieder Probleme, überhaupt an das Spielgerät zu kommen, so dass mit zunehmender Dauer die Chancen, ein Remis zuhause zu behalten, schwanden. Vielmehr musste Leno seine Farben zweimal vor einem höheren Rückstand bewahren (68./73.). Kurz darauf kam dem Torsteher gegen Messi auch das Gebälk zu Hilfe.

In der Schlussphase, die mit einem Kopfball des eingewechselten Stefan Kießling genau in die Arme von Valdés begann (79.), überwand Messi Leno dann doch noch zum hochverdienten 3:1-Endstand für Barcelona (88.).

Bayer 04 Leverkusen - FC Barcelona 1:3 (0:1)

0:1 (41.) Sánchez, 1:1 (52.) Kadlec, 1:2 (55.) Sánchez, 1:3 (88.) Messi.

Schiedsrichter

Craig Thomson (Schottland)

Gelb

(08.) Schwaab, (53.) Corluka, (80.) Castro – (87.) Thiago.

Zuschauer

29.400 (ausverkauft) 

Bayer 04 Leverkusen

(23) Bernd Leno – (14) Vedran Corluka (90. (20) Danny Da Costa), (2) Daniel Schwaab, (5) Manuel Friedrich, (24) Michal Kadlec – (3) Stefan Reinartz, (6) Simon Rolfes (77. (11) Stefan Kießling), (27) Gonzalo Castro, (8) Lars Bender, (9) André Schürrle (90. (38) Karim Bellarabi) – (10) Renato Augusto). Trainer: Robin Dutt.

FC Barcelona

(1) Victor Valdés – (2) Dani Alves, (14) Javier Mascherano, (5) Carles Puyol, (22) Eric Abidal – (16) Sergio Busquets, (4) Cesc Fàbregas, (8) Andrés Iniesta (60. (11) Thiago), (21) Adriano (69. (17) Pedro), (10) Lionel Messi – (9) Alexis Sánchez (85. (23) Isaac Cuenca). Trainer: Josep Guardiola.

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