Der Fall Davor Kraljevic: Anfang oder Ende?

Uwe Gahala | 4. Mai 2012 | 2 Kommentare
Der Wettskandal um das berühmt-berüchtigte Berliner Café King und den „Drahtzieher“ Ante Sapina ist nun auch offiziell im Fußball-Bezirk Neckar-Fils angekommen, wenn auch mit etwas Verzögerung. Es war bereits seit längerer Zeit bekannt, dass der ehemalige Ulmer Regionalliga-Spieler Davor Kraljevic, seit 2010 Spieler bei Bezirksliga-Tabellenführer 1. FC Heiningen, an Spielmanipulationen in der Regionalliga Süd beteiligt gewesen sein soll. Nun hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den gebürtigen Kroaten wegen seiner Bereitschaft zur Spielmanipulation per einstweiliger Verfügung vorläufig und mit sofortiger Wirkung gesperrt. Die Heininger Kontrahenten in der Bezirksliga wähnen bereits eine Wettbewerbsverzerrung.

Gegen den 33-Jährigen besteht laut DFB „der dringende Verdacht, dass er sich gegenüber dem professionellen Wettspieler und -vermittler Ante Sapina bereit erklärt hat, den Ausgang eines Meisterschaftsspieles des SSV Ulm in der Regionalliga Süd der Saison 2008/09 sowie eines Freundschaftsspieles Anfang 2009 gegen Zahlung von Geldbeträgen zu Gunsten des jeweiligen Spielgegners zu beeinflussen. Dem Beschuldigten war dabei bekannt, dass Dritte auf die betreffenden Spiele gewettet beziehungsweise dieses beabsichtigt haben.“

In der Hauptsache wird jetzt das Sportgericht auf Antrag des Kontrollausschusses zeitnah tätig werden und entscheiden. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es dem früheren Ulmer Akteur zudem vorläufig verboten wird, ein Amt im DFB, seinen Mitgliedsverbänden, deren Vereinen und Kapitalgesellschaften zu bekleiden.

Spurensuche einer heiklen Angelegenheit

Der Name Davor Kraljevic geriet vor zwei Jahren im Zuge des größten europäischen Wettskandals in die Medien, nachdem er von seinem damaligen Club SSV Ulm 1846 nach einer außergerichtlichen Vereinbarung zusammen mit seinen beiden Mitspielern Marijo Marinovic und Dinko Radojevic gekündigt worden war. Bereits zu diesem Zeitpunkt war in übereinstimmenden Medienberichten vom Versuch der Spielmanipulation von mindestens vier Partien der Regionalliga Süd und eines Testspiels gegen Fenerbahce Istanbul die Rede.

Davor Kraljevic wurde in Varazdin, Kroatien geboren, wo er mit dem Fußballspielen anfing. Zur Jahrtausendwende kam der Abwehrspieler nach Berlin zur Tennis Borussia, bei der er als großes Talent gehandelt wurde. In seiner Berliner Zeit bei den sogenannten „Veilchen“ lernte er auch Ante Sapina kennen, der durch den Hoyzer-Skandal in Fußballkreisen zweifelhafte Popularität erlangte. 2003 wechselte Kraljevic zum SV Babelsberg 03, 2005 zum 1. FC Heidenheim und im Anschluss nach Ulm. Bei den „Ulmer Spatzen“ war der 1,83m große Innenverteidiger Leistungsträger und Publikumsliebling – bis der Wettskandal aufflog und die Ulmer Verantwortlichen ihrem Abwehrchef den Stuhl vor die Tür stellten. Kurz zuvor hatte Kraljevic wie alle seine Mitspieler noch eine Ehrenerklärung unterschrieben und darin versichert, nichts mit dem Skandal zu tun zu haben.

Ein halbes Jahr nach der Vertragsauflösung in Ulm heuerte Davor Kraljevic zur Saison 2010/11 beim 1. FC Heiningen an, welcher als Meister der Kreisliga A3 Neckar-Fils gerade in die Bezirksliga aufgestiegen war und im Bezirksoberhaus mit dem Kroaten im ersten Jahr den guten vierten Platz belegte. Zur jetzigen Saison 2011/12 rüsteten die Heininger nochmals kräftig auf und marschieren seit Monaten mit Riesenschritten gen Landesliga. Momentan führt Heiningen die Tabelle souverän an; der Vorsprung auf die Verfolger VfL Kirchheim/Teck II und FV 09 Nürtingen beträgt bereits fünf bzw. zehn Punkte und kaum einer zweifelt daran, dass der 1. FC Heiningen, der im Übrigen auch im Halbfinale des Bezirkspokals steht, den Sack frühzeitig zu macht.

Das wird die Mannschaft von Trainer Tobias Flitsch wohl auch ohne ihren Defensiv-Routinier schaffen – doch die Aufsehen erregende Sperre des Kroaten jetzt ruft natürlich die Bezirksliga-Konkurrenz auf den Plan, die sich benachteiligt fühlt und sich verständlicherweise des Begriffs der „Wettbewerbsverzerrung“ bedient, zumal Kraljevic bislang sowohl Stammspieler als auch Leistungsträger gewesen ist. Doch beim Wechsel nach Heiningen hatten der Württembergische Fußballverband (wfv) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Kraljevic das Spielrecht erteilt – was nun?

Schon damals wurde darauf hingewiesen, dass die Erteilung des Spielrechts für den 1. FC Heiningen keinen Rückschluss darauf zulasse, der Spieler bliebe im Wettskandal unbehelligt. Denn die Staatsanwaltschaft hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Anklagen in dieser Affäre erhoben. Das Sportgericht des Bezirks Neckar-Fils kann sich jedenfalls aller Voraussicht nach auf zahlreiche Einsprüche gegen die Wertung der Spiele mit Heininger Beteiligung einstellen, auch wenn diese Einsprüche wohl kaum Erfolg haben werden, da die Sperre Kraljevics nicht rückwirkender Natur ist, sondern von nun an.

Wir bleiben dennoch dran. Mit Schmackes eben.

Kommentar Nr. 1
Boiniger | 6. Mai 2012 | 22:29
Interessanter Artikel! Aber weshalb soll es Einsprüche gegen die Spielwertungen geben? Spielberechtigung lag vor, es gab ein laufendes Verfahren, während dem der Spieler spielen durfte. Von Spielmanipualtionen ist in der Bezirksliga auch nicht auszugehen...
Kommentar Nr. 2
Ausschuss | 7. Mai 2012 | 17:11
Es gab bereits etliche Anfragen von diversen Trainern / Vereinen, die halt lieber mal den Kopf ausschalten und gleich Wettbewerbsverzerrung schreien, nur weil Kraljevic gegen sie vielleicht ein Tor geschossen hat... Dabei ist der Fall eindeutig; leider haben viele in den Fußballprovinzen nicht ansatzweise Durchblick. Da wartet wohl wirklich Arbeit aufs Sportgericht – völlig unnötig! Mein Beileid.

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